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Elbas kleines ABC zur Sexualkunde – ein wichtiges Buch über die sexuelle Entwicklung von Kindern

Die sexuelle Entwicklung von Kindern ist häufig noch ein Tabuthema, über das nur ungerne gesprochen wird. Die dänische Autorin Frida Nøddebo Nyrup hat ein hilfreiches Buch geschrieben, das Fachkräfte und Eltern bei der Sexualaufklärung von Kindern unterstützt. Im Interview berichtet sie über 'Elbas ABC der Sexualität' und die wesentlichen Aspekte des Buches.

 

Frau Nøddebo Nyrup, Sie haben ein neues Buch über die sexuelle Entwicklung von Kindern heraugebracht. Wie würden Sie das Buch charakterisieren?

Das Buch behandelt die sexuelle Entwicklung von Kindern und soziale Regeln, die ja auch in dieser Hinsicht erst gelernt werden müssen. Es richtet sich sowohl an Kinder als auch an Erwachsene. Es ist zunächst in Form eines Kinderbuchs geschrieben, aber es verfügt auch über ein Nachwort für ältere Kinder und Erwachsene.

Während ich für die Kinder eine realistische Geschichte mit einem Schwerpunkt auf die sexuelle Entwicklung entwickelt habe, lernen Erwachsene die sexuelle Entwicklung von Kindern aus physischer, psychischer und neurologischer Perspektive kennen. Darüber hinaus wird auch erklärt, wie Erwachsene mit dem Entdeckungsdrang von Kindern umgehen können. Anhand von Beispielen versuche ich zu erklären, wie man sowohl im privaten als auch im professionellen Bereich pädagogisch klug mit der sexuellen Neugierde von Kindern umgehen kann.

Worum geht es in der Geschichte?

Es geht um das Mädchen Elba. Sie steht am Anfang ihrer körperlichen und sexuellen Entwicklung. Die Leser*innen folgen ihr sowohl zu Hause als auch im professionellen Betreuungssetting. Zu Hause bei Elba sprechen sowohl die Mutter als auch ihr Vater mit ihr über Sexualität.

In der Nachmittagsbetreuung spielt Elba mit anderen Kindern. Hier werden Elba und ein anderes Mädchen in einem Spiel mit einem Jungen in ihrem Eifer grenzüberschreibend. Der Junge ist traurig und verärgert und wendet sich an einen Erzieher. Dieser hilft den Kindern in ihrem Konflikt, so dass sie sich beide in der Situation erleichtert fühlen. Gleichzeitig lernen die Kinder, was erlaubt ist und wie wichtig es ist, immer im Blick zu behalten, dass es beim gemeinsamen Spiel allen gut gehen soll.

Sie erwähnen sowohl Elbas Vater als auch einen männlichen Erzieher.

Genau. Mir ist wichtig, dass auch Männer einen wichtigen Teil zur Sexualaufklärung beitragen müssen. Es spricht beispielsweise überhaupt nichts dagegen, dass auch Männer ihren Töchtern etwas über die Anatomie der weiblichen Genitalien erklären. Tabus sind in dieser Hinsicht eher problematisch als hilfreich. Es ist wichtig, dass Kinder erfahren, dass sowohl Männer als auch Frauen eine wichtige Rolle in Bezug auf die Entwicklung der Kinder spielen - einschließlich der sexuellen Entwicklung.

Welches Ziel verfolgen Sie mit dem Buch?

Ich möchte darauf aufmerksam machen, wie wichtig es ist, dass Eltern und Pädagog*innen eine akzeptierende Haltung zu diesem Thema entwickeln. Auch geht es mir um die Vermittlung praktischer Hinweise im Umgang mit den Kindern, ihren Fragen und der körperlichen Entwicklung.

Mir ist es sehr wichtig darüber aufzuklären, wie destruktiv es ist, wenn Erwachsene Kindern das Gefühl vermitteln, sich für ihren Körper und ihre sexuelle Entwicklung schämen zu müssen. Und sehr wahrscheinlich wirkt es sich auch negativ aus, wenn Kindern nicht die Möglichkeit gegeben wird, ihre Sexualität schrittweise zu entwickeln. Beim Umgang mit sexueller Erregung spielen physiologische und neurologische Prozesse eine wichtige Rolle. Es ist insgesamt ein komplexer Lernprozess.

Wie zeigt sich ein solch destruktiver Umgang mit Sexualität und wie wirkt er sich aus?

Einerseits müssen wir als Menschen unsere Sexualität allmählich kennenlernen. Die kindliche Sexualität muss sich von einer sensorischen Größe zu einer integrierten Größe entwickeln, die sowohl physische, psychische als auch soziale Komponenten umfasst. In diesem Bereich besteht zwar noch Forschungsbedarf, aber wir wissen, dass die Sexualität nicht nur hormonell und neurochemisch gesteuert wird, sondern auch durch Erlebnisse in der frühen Kindheit geformt wird. Es ist wichtig zu wissen, dass wir Erwachsene sexuelle Stimulierung schon allein durch Imaginationen erfühlen können, während Kinder zunächst nur die rein körperliche Dimension, z.B. ein Wohlbehagen fühlen können.

Kinder richten ihr Verhalten bekanntlich stark an dem aus, was Erwachsene ihnen vorleben. Mit anderen Worten: Wenn Eltern das körperliche Wohlgefühl sexueller Erregung von Kindern negativ bewerten, werden Kinder nur sehr schwer ein positives Verhältnis zu ihrem Körper und ihrer Sexualität entwickeln können. 

Sie schreiben, dass für die sexuelle Entwicklung auch soziale Komponenten wichtig sind. Wie verhält es sich hiermit?

Letztlich ist es nicht anders als in anderen Bereichen kindlicher und jugendlicher Entwicklung: Wir müssen als Menschen allmählich lernen, die Bedürfnisse anderer Menschen wahrzunehmen und zu respektieren. Erwachsene tun dies täglich und sie sind in der Regel sehr gut darin, Kinder und Jugendliche auf ihrem Weg zu unterstützen. In sexueller Hinsicht scheint mir das allerdings nicht immer so zu sein.

Denken Sie, dass wir als Erwachsene Kindern nicht so gut helfen können, wenn es darum geht, mit sexuellen Beziehungen umzugehen?

Ganz genau. Einige Erwachsene neigen z.B. dazu, Doktorspiele grundsätzlich zu verbieten. Doch kann ein solches Erziehungsverhalten verhindern, dass die Kinder als Teenager in der Lage sind, gleichwertige und respektvolle Beziehungen einzugehen, in denen der Einzelne nicht nur Verantwortung für sich und seine Partnerin bzw. Partner übernimmt. Kinder müssen lernen, dass eine sexuelle Beziehung immer auf gegenseitiger Akzeptanz basieren muss und alle Handlungen einvernehmlich erfolgen müssen.

Wie können Fachkräfte das Buch didaktisch in ihren Arbeitsalltag integrieren?

Ein zentraler Aspekt des Buches ist die offene Kommunikation zwischen Erwachsenen und Kindern über das Thema. Aus diesem Grund sind am Ende der Kapitel Fragen formuliert, die man gut mit den Kindern besprechen kann. Altersangemessene Gespräche über Sexualethik, Moral und gesellschaftliche Normen ermöglichen Kindern, ihre alltäglichen Erfahrungen einzuordnen. Allein das kann schon sehr hilfreich sein. Selbstbewusste Kinder, die viel über ihren eigenen Körper und Sexualität wissen, können sich übrigens auch besser gegen sexuelle Übergriffe schützen. Diesen Punkt sollte man nicht unterschätzen.

Wo kann man Buch kaufen?

Am einfachsten ist der Weg über die Website https://nyfabooks.dk/de/ oder über unseren QR-Code.

Aktuelle Rezension

Buchcover

Regina-Maria Dackweiler, Alexandra Rau, Reinhild Schäfer (Hrsg.): Frauen und Armut - feministische Perspektiven. Verlag Barbara Budrich GmbH (Opladen, Berlin, Toronto) 2020. 474 Seiten. ISBN 978-3-8474-2203-7.
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