Sozial.de - Das Nachrichtenportal

Danke für Ihre Aufmerksamkeit!

Dr. Jos Schnurer

23.10.2015

Collage, zusammengestellt von Dr. Jos Schnurer
Bild anklicken zum vergrößern

Menschliches Denken und Tun, vor allem wenn es intellektuell, also mit Bewusstsein und Verstand geschieht, ist verbunden mit Sinneseindrücken, denen der anthrôpos in all seinen Denken und Tun ausgesetzt ist. Das Nachdenken über das menschliche Sein gehört somit zu den Alltäglichkeiten wie Besonderheiten im menschlichen Leben [1]. Es lohnt somit, über Begrifflichkeiten zu reflektieren, die wir im allgemeinen eher beiläufig benutzen. Das Wort „Aufmerksamkeit“ gehört dazu! Im Wörterbuch der deutschen Sprache (Wahrig, München 1999, S- 103) wird „Aufmerksamkeit“ eine unterschiedliche Bedeutung zugeschrieben; zum einen „die Fähigkeit, Sinneswahrnehmungen gut aufzunehmen“ und als „geistige Spannung, Sammlung“ bezeichnet, als „Gerichtetsein aller Gedanken auf etwas; die A. lenken auf; (größte) A. auf etwas verwenden; einer Sache besondere A. widmen; etwas oder jemandem A. schenken“; zum anderen „liebenswürdige und höfliche, rücksichtsvolle, zuvorkommende Behandlung“ erweisen. In der Philosophie wird die Sinnbedeutung der Aufmerksamkeit besonders hervorgehoben, etwa als „Fähigkeit, durch Wahrnehmung Reize der Außenwelt aufzunehmen“, sowie „im Zusammenhang mit Geschehen..., wenn diese im engeren oder weiteren Zusammenhang mit dem individuellen menschlichen Leben stehen und dann im Umkreis der Frage nach dem Sinn des Lebens thematisiert werden“ (Martin Gessmann, Philosophisches Wörterbuch, Stuttgart 2009, S. 665f. In der Psychologie wird Aufmerksamkeit als Fähigkeit verstanden, „aus dem vielfältigen Reizangebot der Umwelt einzelne Reize oder Reizaspekte auszuwählen und bevorzugt zu betrachten, andere dagegen zu übergehen und zu unterdrücken“ (Jochen Müsseler, in: Lexikon der Psychologie, Spektrum.de, Heidelberg 2000). In der Kulturanthropologie wird der Frage nachgegangen, wie es gelingen kann, dass der Mensch „aus dem Gefängnis der eigenen Sinne heraustreten“ kann [2].

Tugend als Wertbegriff

In den „Lebenslehren“ werden bestimmte Eigenschaften des philosophischen und existentiellen Denkens und Handelns der Menschen als herausgehobene, überlieferte, kulturell gewachsene, festgelegte, selbstverständliche und allgemein verbindliche Verhaltensweisen benannt, die als „Kardinaltugenden“ in das abendländische Bewusstsein eingegangen sind: „Besonnenheit, Tapferkeit, Weisheit, Gerechtigkeit. Sie bilden die Grundlage für die Forderung nach einer Ethik menschlichen Seins und drücken sich beispielhaft im „Kategorischen Imperativ“ aus, den Immanuel Kant mit der Formel ausdrückt: „Handle so, dass die Maxime Deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könnte!“. Im Volksmund lautet diese Forderung: „Was du nicht willst, das man dir tu‘, das füg‘ auch keinen andern zu!“.

Tugenden sind erstrebenswerte Charaktereigenschaften

Aristoteles unterscheidet dianoetische und ethische Tugenden, die sich jeweils entweder aus dem gemeinschaftlichen Dasein der Menschen ergeben, oder durch ein gutes Handeln bestimmt sind. Nach der Nikomachischen Ethik ist die ethische Tugend eine Haltung, „die von Entscheidung getragen ist und in einer Mitte für uns besteht, die durch die Vernunft bestimmt wird“ (Otfried Höffe, Aristoteles-Lexikon, Kröner-Verlag, Stuttgart 2005, S. 79). Der römische Kirchenlehrer Hieronymus sieht die Laster benachbart zu den Tugenden. In Sprichwörtern und Aphorismen werden die Tugenden gelobt und die Laster verurteilt, und es wird kritisiert und sich lustig gemacht über die oftmals vergeblichen Bemühungen, ein „tugendhafter Mensch“ zu sein, ahnend, dass sich das unvollkommene Lebewesen Mensch zwischen den gegensätzlichen Polen von Gut und Böse, Altruismus und Egoismus, Ordnung und Unordnung hin- und her bewegt. Anzustrebende Tugenden als Haltungen und Charakteristika eines Individuums sind immer auch Rufe nach Ordnungen und Gewissheiten in der sich immer interdependenter, entgrenzender und unsicher werdenden (Einen?) Welt. Das Bedürfnis nach Klassifizierung, insbesondere in politischen, gesellschaftlichen und beruflichen Zusammenhängen wird lauter. Zu wissen, wer man selbst ist und der andere, ob in der Nähe oder in der globalen Ferne, fokussiert in deutlichem Maße die Frage nach dem Leben Hier und Heute. Es ist die Frage nach dem humanen Umgang der Menschen miteinander, empathisch und friedlich, oder abweisend und aggressiv. Ist der Mensch des Menschen Freund oder Feind? Ist er anthrôpos oder lupos? Ist es die Gewalt, oder die Liebe, die das Zusammenleben der Menschen bestimmt? Diese uralten Fragen sind aktueller denn je, in einer Zeit, in der sich Empathie und Humanität als Überlebensanker der Menschheit darstellen [3]. Über deutsche Tugenden gibt es Vermutungen und Gewissheiten, Spekulationen und Illusionen, Ideen und Ideologien. Sie werden als Spiegelbilder veranschaulicht und als Zerrbilder dargestellt, sie entwickeln sich als Typen und Stereotypen. Die legitime und notwendige Frage: „Wer bin ich?“ wird nicht selten zum Irrlicht bei dem Unterfangen, Eigenschaften von Bevölkerungsgruppen und Völkern als Tugenden und Untugenden herauszufiltern. In der Geschichte der Menschheit hat es immer wieder Versuche gegeben, so genannte Charaktereigenschaften zu benennen, die ein Volk kennzeichnen: Der Deutsche ist …, der Italiener…, der Asiate…, der Afrikaner…, der Jude… Der promovierte Historiker, Unternehmensberater und Ethnologe Asfa-Wossen Asserate gilt als einer, dem es gelingt, seine Beobachtungen als Äthiopier zu verbinden mit denen eines seit mehr als vierzig Jahren in Deutschland lebender Deutscher. Sein interkultureller Blick auf die deutschen Befindlichkeiten ist deshalb nicht nur ein oberflächlicher und vorübergehender, sondern ein gefestigter und intimer. In alphabetischer Reihenfolge stellt er 22 Tugenden und Haltungen zur Diskussion, die von „Anmut“, über „Maßhalten“, „Ordnungsliebe“, „Sparsamkeit“ bis zu „Trinkfestigkeit“, „Weltschmerz“ und „Zivilcourage“ reichen. Darunter befinden sich Begriffe, die im landläufigen Sinn nicht von vorn herein als „deutsche Tugenden“ bezeichnet werden. Ihre Aufnahme in die Liste der „deutschen Tugenden“ überrascht, genau so wie die differenzierten Herleitungen und Korrekturen der vermeintlich typisch deutschen Tugenden, wie sie etwa in Volksliedern („Üb‘ immer Treu‘ und Redlichkeit…“), in Erzählungen, Gedichten und Theaterstücken kolportiert werden. Zwar nimmt Asserate den Begriff „Aufmerksamkeit“ nicht in seinen (deutschen) Tugendkatalog auf; doch in Zusammenhängen und mit Verbindungslinien kommt er doch vor. Mit seiner Nachschau über herausragende deutsche Tugenden lenkt der Autor einen Blick darauf, wie wir (Deutsche) wurden, was wir sind. Damit schaut er den Deutschen, seinen Landsleuten, aufs Maul und analysiert bestimmte Einstellungen und Verhaltensweisen, die es wert sind, sich dieser bewusst zu machen - und zu verändern, hin zu der Lebenslehre, die für alle Menschen auf der Erde gilt, nämlich nach einem guten Leben zu streben und zu erreichen, dass die Menschheit sich gerechter, friedlicher und sozialer entwickeln kann [4].

Der Mensch ist das eigentliche Studienobjekt

Da wird es Zeit, sich damit auseinander zu setzen, wie das Bild vom Menschen sich im Laufe der Menschheitsgeschichte verändert hat; insbesondere seit erst vor etwas mehr als zehn Jahren die Wissenschaft das menschliche Genom als vollständigen Chromosomensatz entschlüsselt hat, mit dem Ergebnis, dass der genetische Code bei mehr als 99 Prozent aller Menschen auf der Erde übereinstimmt. Diese biotechnologische- und humangenetische Entdeckung sollte eigentlich bewirkt haben, dass im lokalen und globalen Diskurs jede Form von ideologischen und rassistischen Höher- und Minderwertigkeitsvorstellungen in die Mülleimer von Menschenfeindlichkeit abgelegt werden könnte; doch die aktuellen Zustände und Verhältnisse sind nicht so! Die Humangenetik, als vielversprechende wie bedenkliche Forschungsrichtung, basiert ja zum einen auf den legitimen Wissensfragen, was sich im Innern des Menschen tut, wie Gene entstehen, aufbauen, zusammensetzen und sich als DNA-Sequenzen bilden – und mit der Frage der Epigenetik, unser Leben bestimmen, zum anderen aber auch auf den vielfältigen Formen der genetischen Anwendung in der Forschung und Praxis. Während wir nämlich einerseits den Begriff „Gen“ benutzen, ohne uns der Entstehung, Ausformulierung und Umdeutung des Begriffs im Laufe der Geschichte bewusst zu sein, bilden sich andererseits Ausdeutungen und Anwendungen, die weit über die ursprüngliche Bedeutung des wissenschaftlichen Begriffs hinaus gehen. Es ist zwar der Gang und das Ziel jeder Forschungstätigkeit, Mehr-Wissen zu produzieren und damit den wissenschaftlichen Fortschritt anzuspornen; jedoch entstehen dabei auch, und zwar nicht nur in der Bio- und Epigenetik, sondern bei allen Formen des wissenschaftlichen Forschens, auch Grenzüberschreitungen und Manipulationen, die es zu erkennen und zu kritisieren gilt. Es bedarf der Kenntnis und des Bewusstseins, dass „wer ‚genetisch‘ sagt, ( ) deshalb auch mehr meinen (sollte), als dass es irgendwo ein Gen gibt, das er im Zweifelsfall auch nicht kennt“. Der Heidelberger Wissenschaftshistoriker und -publizist Ernst Peter Fischer zeigt auf, „wie sich Leben bilden kann, wie aus einem mehr oder weniger gestaltlosen Ei ein hochgradig strukturierter und morphologisch differenzierter Organismus hervorgeht“. Mit seinem Buch „GENial! Was Klonschaf Dolly den Erbsen verdankt“ führt er in die Geschichte(n) der Genetik ein, verweist auf Chancen und Gefahren, die in der Gentechnologie stecken und warnt vor falschen Erwartungen und Versprechungen. Es sind insbesondere die Epigenetiker, die danach fragen, ob das Gen alles sei, oder was sich im Genom alles tut, das nicht mit den traditionellen Forschungsmethoden erklärt werden könne; etwa ob das Gen ein Gedächtnis hat und wenn ja, metagenetisch gedacht, wie sich ein epigenetisches Muster zeigt und „als das unbewusste Wissen zu verstehen (ist), das Lebewesen in sich tragen“. Sie öffnen damit die scheinbar bisher verschlossene, zumindest schwergängige Tür zu einem Bau, den die Genetiker und Neurowissenschaftler errichtet haben, nicht selten mit dominanten Ansprüchen und Wissensgewissheiten, aber auch mit den Bedürfnissen nach Dialog und Kooperation [5]. „Alles fließt“, auch in der Genforschung. Durch die Entdeckung und Beschreibung von RNA-Molekülen und der RNA-Interferenz, die es ermöglicht, Zellen nicht nur zu verändern, sondern sie auch stillzulegen (RNA-Silencing) und für die Andrew Z. Fire und Craig C. Mello 2006 den Nobelpreis erhielten, wird es möglich sein, neben der Einführung von Genotypus, als genetische Ausstattung und Phänotypus, als von Umwelteinflüssen bestimmt, einen weiteren Typus „zwischen den produzierenden Genen und den handelnden Proteinen im Leben der Zellen“ einzuführen. Ernst Peter Fischer schlägt dafür den Begriff „Rhythmotyp“ vor, mit dem zum Ausdruck kommt, dass wir, wenn wir das Leben genetisch verstehen wollen, „Prozesse ins Auge fassen (müssen), die einen mit allen Sinnen wahrnehmbaren, lebendigen Organismus bilden“. Um diese Geheimnisse kennen zu lernen und mit ihnen, im wissenschaftlichen Forschen wie im alltäglichen, lokalen und globalen Tun umgehen zu können, bedarf es des Blicks über den „genetischen Tellerrand“ und des interdisziplinären Dialogs [6]

Menschliches Verhalten: Ein weites Feld

Bei der Frage nach dem individuellen menschlichen Verhalten bedarf es einer Grenzziehung: Steht damit das anthropologisch-sozialwissenschaftliche Interesse im Vordergrund und wird die Komplexität des Vertrauens untersucht, oder geht es um die empirische Nachschau darüber, wie Verhalten zu erklären ist. Dabei sind sozialwissenschaftliche Fragestellungen über politische, ökonomische und ökologische Einstellungen und Verhaltensmuster genau so bedeutsam wie Aspekte des alltäglichen Lebens. In der empirischen Einstellungs-, Werte- und Persönlichkeitsforschung steht die Frage auf der Agenda, wie individuelles Verhalten erklärt werden kann. Insbesondere in der Persönlichkeitspsychologie ist bedeutsam, mit welchem Ansatz (Menschenbild) menschliches Verhalten analysiert wird. Es geht letztlich um die Frage, wie Verhalten ist und gemacht ist, welche inneren Einstellungen und äußeren Einflüsse auf menschliches Verhalten wirken.Der Politikwissenschaftler am Institut für Politikwissenschaft der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz, Siegfried Schumann, legt ein (Lehr-)Buch vor, in dem er, aus der Sicht der Sozialwissenschaften, die wichtigsten Theoriebildungen und Methoden der Persönlichkeits-, Werte- und Einstellungsforschung in Grundzügen beschreibt und an Forschungsbeispielen und -ergebnissen die theoretischen und praktischen Unterschiede verdeutlicht. Mit dem (Lehr-)Buch „Individuelles Verhalten“ stellt Siegfried Schumann verschiedene Forschungsansätze, Modelle und Methoden vor, wie eine sozialwissenschaftliche Erforschung von Einstellungen, Werten und Persönlichkeiten möglich ist. Weil eine der wichtigsten Ziele der Persönlichkeitspsychologie die Erklärung menschlichen Verhaltens ist, orientieren sich die diskutierten Paradigmen auch an diesem Forschungsfeld, immer gespiegelt in den Implikationen für die Erklärung politischen Verhaltens. Albert Einstein wird die Feststellung zugeschrieben: „Es kommt darauf an, alles so einfach wie möglich auszudrücken. Aber nicht einfacher“. Dieses Bonmot lässt sich auch bei der Frage anwenden, wie genau und stimmig menschliches Verhalten überhaupt erklärt werden kann. Die im Buch vorgestellten Theorie-, Hypothesenbildungen, wie die angewandten Forschungsmethoden zeigen, dass die Korrelationen nicht nur bei der Anwendung der verschiedenen Forschungsinstrumente sich unterschiedlich darstellen, sondern auch, „dass menschliches Verhalten nicht vollständig determiniert und damit prinzipiell nicht vollständig vorhersagbar ist“ [7].

Selbst ist der Mensch – im anderen

Eine bewusste, achtsame und selbstfürsorgliche Haltung schafft Lebenskraft; das in Ratgebern, Erziehungsprinzipien und Tugenddiskussionen immer wieder betonte Bewusstsein, dass der Mensch kraft seiner Intellektualität und der ihm von Natur aus gegebenen Vernunftfähigkeit dafür prädestiniert ist, zwischen Gut und Böse unterscheiden und ein gutes, gelingendes Leben führen zu können; und zwar sowohl individuell als auch kollektiv, steht vielfach im Widerspruch zum konkreten, eigenen wie kollektiven Denken und Handeln der Menschen. Im philosophischen, anthropologischen, erziehungs- und kulturwissenschaftlichen, psychologischen, biologischen, soziologischen und gesellschafts-politischen Diskursen wird jeweils der Fokus darauf gerichtet, wie das Selbst des Menschlichen individuell und gesellschaftlich wirkt und als Erkenntnisprozess zum Ausdruck kommt. Im kybernetischen und soziologischen Diskurs wird „Selbstreferenz“ als Begrifflichkeit benutzt, „als ein Moment informeller Selbststeuerung und Selbstprogrammierung sozialer Systeme“ verstanden (Niklas Luhmann) und im Zusammenhang mit den gefühlten und tatsächlichen Empfindungen der Menschen über Sicherheiten und Unsicherheiten im eigenen Leben und dem lokal- und global-gesellschaftlichen Zusammenleben der Menschen gebracht [8]. „Mit Selbststeuerung lässt sich im Leben vieles, ohne sie nichts erreichen“; mit dieser apodiktischen Feststellung wird gewissermaßen eine Menschen- und Weltschau mit dem Blick auf die Entwicklungen und Verwicklungen des menschlichen Selbst(bewusst)Seins eingeleitet: „Freiheit durch Selbststeuerung“. Es sind Aufforderung zum Selbstdenken und nicht andere für sich denken zu lassen [9]. Es geht um die Nachschau nach den Ursachen von Verhaltensweisen, die sich artikulieren in konsumtiven und unverbindlichen Einstellungen wie: „Ich will alles, und das sofort!“. Dem gegenüber stehen Herausforderungen, wie sie sich zum Beispiel in dem (nobelpreisgekrönten) Rat ausdrücken: „Was mehr wird, wenn wir teilen“ [10], und in der antiken philosophischen „autarkeia“ grundgelegt ist, nämlich, dass „autark ein Individuum, eine Gemeinschaft oder eine Tätigkeit (ist), die auf nichts anderes angewiesen ist, weil sie alles, was sie benötigt, selbst hat oder sich selbst beschaffen kann“ [11]. Der Freiburger Arzt, Neurobiologe und Psychotherapeut Joachim Bauer richtet seinen Blick richtet auf die neuesten Erkenntnisse aus der Neurobiologie, wenn er dazu auffordert, sich wieder den Fähigkeiten zuzuwenden, die uns als anthrôpos gegeben sind, nämlich „unser Leben in Einklang mit längerfristigen Zielen und Wünschen zu bringen“ und Abstand vom „Momentanismus“ zu nehmen. In der Selbststeuerung und Selbstfürsorge sieht er die neurobiologischen Grundlagen „für triebhafte, spontan und überwiegend automatisch ablaufende(n) Verhaltensweisen“.  Es ist der Präfrontale Cortex, den Bauer als Ort des freien Willens identifiziert und verdeutlicht, „dass alles menschliche Fühlen, Denken und Handeln neurobiologische Korrelate hat“. Den Schlüssen, die im wissenschaftlichen und öffentlichen Diskurs (auch) zur „Verneinung der menschlichen Entscheidungsfreiheit“ geführt haben, widerspricht der Autor entschieden; er verweist vielmehr auf die Gefahren, die sich durch eine Ideologie des Determinismus ergäben, nämlich zur Lähmung von jeder Initiative, Kreativität und Entschlossenheit im individuellen und kollektiven Dasein der Menschen. Weil nämlich soziale Erfahrungen die Gehirnentwicklung des Menschen formen, kommt es darauf an, Selbststeuerung nicht als ein Glücks- oder Zufallsprodukt zu verstehen, sondern als eine Bildungs- und Lernherausforderung zu begreifen und zu erkennen, wie der freie Wille als Humanum durchgesetzt werden kann; und zwar nicht per Ordre mufti, sondern durch „eine bewusste, achtsame und selbstfürsorgliche Haltung … (die) die immunologische Abwehr und die körpereigenen Heilkräfte stärkt“. Dadurch wird die Bedeutung der Selbststeuerung „zu einem anthropologischen Desiderat ersten Ranges“, der es dem Menschen ermöglicht., zu sich selbst zu finden und ein wirkliches, gutes und gelingendes Leben führen zu können. [12]

Wahrheit ist eine Form des risikoreichen Lebens

Wahr ist, was nicht falsch ist“, diese im Sinne des Aristotelischen Zweiwertigkeitsprinzips formulierte Aussage ist erst einmal logisch, also vernünftig. Der griechische Philosoph Aristoteles erklärt das in seiner Metaphysik so: „Nicht darum nämlich, weil unser Urteil, du seiest weiß, wahr ist, bist du weiß, sondern, weil du weiß bist, sagen wir die Wahrheit, indem wir dies behaupten“ (Aristoteles-Lexikon). Es ist die ethische Tugend der Wahrhaftigkeit, die es den Menschen ermöglicht, ein gutes Leben anzustreben und zu führen. „Eure Rede aber sei Ja, ja, nein, nein. Was darüber hinaus ist, das ist vom Übel“ (Matthäus 5, 37), gibt den Maßstab für das christliche Denken ab. Der französische Philosoph Michel Foucault (1926 – 1984) hat in einer seiner letzten Vorlesungen am Collège de France den „Mut zur Wahrheit“ propagiert, indem er auf die Wahrheit als dem kritischen Anderen der bestehenden gängigen Lebenseinstellungen verweist „Es gibt keine Einsetzung der Wahrheit ohne eine wesentliche Setzung der Andersheit; die Wahrheit ist nie dasselbe; Wahrheit kann es nur in Form der anderen Welt und des anderen Lebens geben“ [13]. Aus kybernetischer Sicht ist Wahrheit sogar die „Erfindung eines Lügners“ [14]. I n der seit 1947 erscheinenden Kulturzeitschrift MERKUR wird mit dem Doppelheft 9/10 vom September/Oktober 2011 die Aufforderung „Sag die Wahrheit!“ als Ausrufezeichen formuliert. Der Untertitel zeigt die Richtung des Diskurses an, mit dem 25 Autorinnen und Autoren darüber reflektieren, dass keineswegs niemand sicher sein kann, dass die Wahrheit gesagt wird: „Warum jeder ein Nonkonformist sein will, aber nur wenige es sind“. Wir sind damit mitten im Leben angelangt! „Freimütig die Wahrheit sagen ist für den existentiellen Nonkonformisten edelstes Ziel…“, so Kurt Scheel in seiner „Gebrauchsanweisung für Nonkonformisten“ (NDR Kultur, Gedanken zur Zeit, 2. 10. 2011). Wie stellt sich der zeitgenössische Nonkonformist in der Ausprägung des existentiellen Nonkonformismus dar? Als Außenseiter, Querdenker, Verweigerer, Zurückgesetzter? Oder als unbekannter „Innenseiter“? „Der Mut zur Wahrheit“, als ethische, moralische und humane Forderung, ist eine Herausforderung für Menschlichkeit in der sich immer interdependenter, entgrenzender und verändernder (Einen?) Welt. Mit dem Hinweis, dass die im Heft formulierten und reflektierten Überlegungen zur heutigen Situation des Nonkonformismus keine Gebrauchsanweisung für einen Nonkonformisten sein kann, sondern eher ein „Graciánisches Handorakel“ sein möge, wird eine Replik darauf genommen, dass der Jesuit Baltasar Gracián die Auflistung seiner Aphorismen nach dem griechischen Vorbild als Orakel und Sprechstätte verstand, die Wahrheit zur Sprache zu bringen. Der Vergleich ist gut gewählt; geht es doch auch heute darum zu erkennen, dass heute, genau so wie zu allen Zeiten notwendig ist, „das Wagnis der Wahrheit und des Freimuts einzugehen“ [15].

Der kontroverse Begriff „Autonomie“

Der heftige, kontroverse, theoretische und praktische Diskurs in den Sozialwissenschaften über die Formen und Zuschreibungen zum Autonomiebegriff, und in diesem Zusammenhang zu den Modernisierungstendenzen hin zu „flachen Hierarchien“, scheint sich von den Flachgewässern und sumpfigen Gebieten bis zu den Untiefen der Existenznachschau zu vollziehen. Die Paradigmen, wie sie sich zu den Bestandsaufnahmen und Analysen über Freiheit und Gemeinschaft, Normativität und Kritik, Wahrheit und Ideologie, Recht und Subjektivität, Kapitalismuskritik und Klassenkampf und Politische Praxis Hier und Heute darstellen, verweisen ja einerseits darauf, dass mit dem traditionellen Begriff der Autonomie eher Beziehungslosigkeit und Isolation entstehen, die wiederum zu Einschränkungen bei den Ansprüchen für eine autonome Lebensführung führen [16]andererseits zeigt sich an der Kritik am traditionellen Autonomie-Paradigma, dass sich der Mensch als homo faber durch denkendes Tun erschafft und entwickelt: Kooperation verbessert die Qualität des sozialen Lebens. Darin steckt der Gedanke: Global denken, lokal handeln. So lässt sich Gemeinschaft als ein „Prozess des In-die-Welt-Kommens vorstellen, in dem die Menschen den Wert direkter persönlicher Beziehungen und die Grenzen solcher Beziehungen herausarbeiten“ [17]. Autonomie als einerseits abgeschriebener, überholter, andererseits als aktuell moderner und perspektivenreicher Begriff wird im wissenschaftlichen Diskurs hoch gehandelt. Insbesondere in der Soziologie führen Fragestellungen nach der Bedeutung von Autonomie für soziale Daseinsformen und -existenzen darum, den normativen, öffentlichen Begriffsverwendungen deskriptive und analytische Beschreibungen entgegen zu setzen. Das erfolgt zum einen dadurch, Autonomie als gesellschaftlichen Wert zu definieren; zum anderen aber – und das in zunehmendem, engagiertem Maße – werden Theorie- und Praxisfragen danach gestellt, wie Autonomie konzeptionell gefasst ist und Autonomiegewinne und- verluste empirisch zu ermitteln sind. Vielversprechender hingegen gestaltet sich eine Auseinandersetzung darüber, wie„Differenz zwischen einer analytischen Begriffsverwendung und der Auseinandersetzung mit einem in der sozialen Realität bzw. in konkreten gesellschaftlichen Kontexten gegebenem Wert“ entsteht, wirkt und begriffen werden kann. Die Frage - „Braucht die Soziologie einen Autonomiebegriff?“ – und damit ausgeweitet: „Braucht ihn die Gesellschaft?“ – wird mit dem Sammelband „Autonomie revisited“ in interdisziplinärer und differenzierter Weise zu beantworten versucht [18].

Selbstachtung ist die Kunst des aufrechten Gangs

Alle Philosophen haben zu allen Zeiten das „Selbst“ als einen Wert an sich definiert. Seit der Frage Platons, was etwas in Wahrheit und Wirklichkeit ist (tí poté estín), wird die Suche nach der eigenen Identität und dem Sosein des Menschen in immer neuen Variationen und Denkkonstrukten bedacht und benannt. Selbstachtung hat also etwas zu tun mit dem individuellen Selbst- und Lebenswert und den kulturellen Identitäten der Menschen insgesamt, und dem Selbstbewusstsein, das stetig und mühsam entwickelt, erarbeitet und verteidigt werden muss. Im philosophischen und wissenschaftlichen Denken hat Selbstachtung selbst referentielle und selbst steuernde Bedeutung, die die Selbst- und Fremdbeobachtung bedingt. Es ist hilfreich, will man sich des eigenen Selbstwertgefühls versichern, der biologischen, anthropologischen und gesellschaftlichen wie persönlichen Voraussetzungen für Selbstachtung bewusst zu werden. Denn falsch verstandene, ideologisch gesetzte und historisch entstandene Formen von (so genannter) Selbstachtung können leicht zu negativen Ausprägungen, wie Egoismus, Überheblichkeit, Selbstüberschätzung und Höherwertigkeitsvorstellungen gerinnen. Da ist es gut, sich der philosophischen Bedeutung des Menschenwerts „Achtung“ bewusst zu werden und zu fragen, wie Selbstachtung von verwandten Begriffen unterschieden werden kann, wie sich die Eigenschaft in der menschlichen Natur ausprägt und sich rechtlich und moralisch darstellt, und welche Maßnahmen zu ergreifen sind, wenn sich die Fähigkeit zur Selbstachtung durch negative Entwicklungen entweder nicht entfalten kann, oder ge- und zerstört wird. Am besten beginnt man dabei mit den individuellen, alltäglichen Erfahrungen, und greift aus auf die lokalen und globalen gesellschaftlichen und politischen Bedingungen in der Welt. Weil der grundsätzlich selbstverständlich erscheinende kategorische Imperativ – dass, wie es im Volksmund heißt, was du nicht willst, dass man dir tu´, das füg´ auch keinen andern zu – nicht selbstverständlich ist, sondern in der Familie, Schule, Beruf und Alltagsleben erworben werden muss, bedarf es der Bildung zur Selbstachtung. Der an der Pädagogischen Hochschule in Schwäbisch-Gmünd lehrende Philosoph und Ethiker Franz Josef Wetz, geht mit seinem Buch „Rebellion der Selbstachtung“ die Thematik praktisch-pädagogisch und didaktisch an. In einer Zeitanalyse nimmt er sich vier aktuelle Krisensituationen als „Leiden der Gegenwart“ vor: Den islamistischen Terror, die globalen Aufstände gegen Entmündigung und Staatswillkür, den überreizten und ausgreifenden Individualismus in den westlichen Kulturen, und die Gleichgewichtsstörungen im Work-Life-Balance. Mit historischen Belegen, etwa dem Bekenntnis des Philosoph Immanuel Kants, dass „das Bücken und Schmiegen vor einem Menschen … in jedem Falle eines Menschen unwürdig sei“; wie auch Alltagsbeispielen vermittelt der Autor, wie die schwierige Tugend „Selbstachtung“ gelebt werden kann [19]

Gelassenheit ist mehr als ein Wort

Der chinesische Philosoph und Dichter Tschuang-tse, der in der Zeit um 365 bis 290 v. Chr. lebte, hat die Eigenschaft und Lebenshaltung „Gelassenheit“ eingeordnet in die daoistischen und konfuzianischen Denkformen, die sich in den philosophischen Begriffen de = Tugend, dao = Weg, qi = Lebenskraft, shen = Geist, xin = Herz, Qi = Energie und Jing = Körperlichkeit darstellen. Der Hinweis soll deutlich machen, dass die Eigenschaft, die auch als Gleichmut, stoische Ruhe, Ausgeglichenheit, Beherrschtheit, Bedächtigkeit, Gefasstheit, Langmut, Selbstkontrolle, Zurückhaltung … bezeichnet werden kann, zu aller Zeit und in allen Kulturen und Sprachen der Welt vorfindbar ist. Es sind nicht selten Ausdrücke und Gesten, die „Gelassenheit“ und das Gegenteil davon, die „Getriebenheit“ und die „Besessenheit“, darstellen: Geöffnete Hand versus Faust, Schneiden versus Hacken, offener Gesichtsausdruck versus Zähne zeigen,... Nicht ohne Grund hat die Einstellung „Gelassenheit“ Konjunktur und erhält Aufmerksamkeit in den Zeiten der Ungewissheiten, Gefährdungen und Katastrophen, denen die Menschheit in der sich immer interdependenter, entgrenzender, kapitalistischer und neoliberaler entwickelnden Welt ausgesetzt sieht. Dabei geht es nicht darum, die Eigenschaft Gelassenheit im Sinne der mittelhochdeutschen wortgeschichtlichen Bedeutung von gelazen = gottergeben zu begreifen, sondern als aktives Bewusstsein zu verstehen, dass Geist sich evolutionär entwickelt und menschliche Existenz im Diesseits einzumessen und zu begreifen ist: Der Mensch „ist grundlegend nicht ein weltfremdes, sondern ein welthaftes Wesen“ [20]. Die Wunschvorstellung, gelassen zu sein und zu leben, wird nicht selten konterkariert durch Wirklichkeiten, die (scheinbare und tatsächliche) Zwänge im alltäglichen und gesellschaftspolitischen Leben der Menschen erzeugen. „Du hast gut reden – Sei gelassen! – angesichts des Drucks, der auf mir lastet!“; da wird der Ratschlag leicht zur Keule, weil es kaum möglich erscheint, gelassen zu agieren und zu reagieren. „Glitschig wie ein Fisch und zugleich stachelig wie ein Igel“, so zeigen sich wohlwollende oder auch unbedachte Empfehlungen und Anweisungen, wenn es um die Realisierung von wünschbaren Eigenschaften und Verhaltensweisen geht. Kann man gelassen sein, wenn Unruhe, Erregung, Überforderung und Stress vorhanden sind? An wen richtet sich eigentlich der Rat „Sei gelassen!“ – an den Gestressten, den Überforderten, den Aufgebrachten? Oder vielleicht nicht eher an jeden Einzelnen, in seinen Lebensbezügen, Einstellungen, Wünschen und Hoffnungen los lassen zu lernen, Abstand zu nehmen von einer „Habenmentalität“ und sich hin zu entwickeln zu einem „Seinsmodus“ (Erich Fromm), bei dem materielles Haben-Müssen kritisch bedacht werden kann [21]. Damit sind wir dann schon bei der Voraussetzung, Gelassenheit zu üben: „Lassen und gelassen werden: Beides beginnt beim eigenen Ich“. [22]

„Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt“,

dieses von Friedrich von Schiller in seinen Briefen „Über die ästhetische Erziehung des Menschen“ zugeschriebene Phänomen drückt ja aus, was Philosophen und Anthropologen immer wieder zum Ausdruck bringen: Die Menschheit hätte sich ohne den Spieltrieb nicht zu dem entwickelt, was sie heute ist. Nehmen wir diese Auffassung evolutionär und nicht kassandrisch, wird deutlich, welche Chancen und existentielle Möglichkeiten im Spielen vorhanden sind. Wenn das Spiel, wie der Philosoph Eugen Fink (1905 – 1975) es ausdrückte, bei der Daseinsbestimmung und -bewältigung zwischen Himmel und Erde eine „Oase der Glückseligkeit“ darstellt und der Mensch beim Spielen „einen Augenblick lang vom Leben nur das fordert, was es ist, und ihm auch keine andere Zweckbestimmung abverlangt als sich selbst“ (nach: Martine Mauriras- Bousquet, Die Bedeutung des Spiels für den Menschen, in: UNESCO-Kurier 5/1991, S. 8), dann ist spielen zweckfrei und öffnet die Türen hin zur Kreativität und Ästhetik. Ein weiterer Aspekt in diesem utopischen Verlangen ist die Erkenntnis, dass jedes Spiel auf Regeln beruht, die von den Beteiligten gekannt und anerkannt werden müssen, soll nicht Chaos daraus entstehen. Immerhin: Im Spiel vermag sich der Mensch Dinge vorzustellen, die er entweder niemals erleben wird, oder wenn er sie erlebt, nicht vorherzusehen vermag. Wir sind bei einer wichtigen Komponente, nämlich der Phantasie, die menschliches Leben antreiben, steuern und entwickeln wie abzugrenzen vermag von nicht vorstellbaren Wirklichkeiten. Damit berühren wir jedoch gleichzeitig einen Bereich, der zu unterschiedlichen Betrachtungen über die Sinnhaftigkeit, Nützlichkeit und/oder Gefährlichkeit des Spielens Anlass gibt und sich in verschiedenen wissenschaftlichen Theorien darstellt. Der „Ordnung des Spiels“ wird das „Chaos der Leere“ gegenübergestellt, dem Spaß die Manipulation, dem Zeitvertreib die Nutzlosigkeit und den Regeln die Zügellosigkeit. Die Literaturwissenschaftlerin beim Internationalen Graduiertenkolleg „InterArt“ an der Freien Universität in Berlin, Regine Strätling gibt den Band „Spielformen des Selbst“ als Ergebnis eines 2008 in Zusammenarbeit mit der Copenhagen Doctoral School in Cultural Studies, Literature, and the Arts durchgeführten Symposiums heraus. „Die Schwierigkeit beim Spiel kommt davon, dass wir unter demselben Namen ganz verschiedenes verstehen… Dieser Zeitvertreib, das Golfen, das Rasenspielen und dieser Gruppentourismus, diese seichte Literatur und die blutarmen Philosophien sind das Maß einer ungeheuren Entsagung, Spiegelbild dieser traurigen Menschheit, die die Arbeit dem Tod vorgezogen hat… Zuerst muss der Grundsatz der neuen Welt bestätigt werden: das Nützliche allein herrscht vor, und das Spiel wird nur geduldet, wenn es nützlich ist“. Die Klage stammt vom französischen Schriftsteller George Bataille (1897 – 1962), die er in der von ihm gegründeten Zeitschrift „Critique“ (Nr. 51/52, August/September 1951) formuliert. Die von Regine Strätling herausgegebene Nachfrage zu „Spielformen des Selbst“ greifen die vielfältigen Aspekte und Fragen nach der Bedeutung des Spiels für die Menschen auf. In der Spannweite von Subjektivität, künstlerischem, ästhetischem Schaffen und Alltagspraxis werden konkrete Spieleigenschaften, -leidenschaften und -erfahrungen auf den wissenschaftlichen Prüfstand gestellt und vorfindbare Forschungsansätze und -ergebnisse präsentiert. Wenn es stimmt, dass der (angeborene?) Spieltrieb gleichbedeutend mit Neugier- und Forschungstrieb ist, hat es Sinn, über theoretische und praktische Phänomene des Spielens nachzudenken, vor allem dann, wie dies Jean-Paul Sartre benannt hat: „Fühlt sich einmal ein Mensch frei und will seine Freiheit gebrauchen, wird seine Tätigkeit vom Spiel gefärbt“ (L'être et le néant, 1948) [23].

Vertrauen ist … mehr als Kontrolle

„Vertrauen haben“, als ethische und moralische Charaktereigenschaft hat im philosophischen, gesellschaftlichen und individuell-alltäglichen Denken und Handeln einen hohen Stellenwert. „Vertrauen ist ein Phänomen, das… Komplexität reduzieren kann und Kooperation erleichtert oder überhaupt erst möglich macht“ – diese Lesart steckt in den Gewissheiten, mit denen wir eine vertrauensvolle Einstellung verbinden und einfordern für alle individuellen, lokalen und globalen Lebensbedingungen der Menschen auf der Erde [24]. In der Charta der Vereinten Nationen (1945) wird an die Völker der Erde appelliert, „unseren Glauben an die Grundrechte der Menschen, an Würde und Wert der menschlichen Persönlichkeit, an die Gleichberechtigung von Mann und Frau…, nach Treu und Glauben…“ zu entwickeln und auszuüben. Ohne Zweifel steckt in dieser Aufforderung und Hoffnung die Erwartung, dass es der Menschheit gelingen möge, Vertrauen zueinander aufzubauen, „durch Förderung der Zusammenarbeit zwischen den Völkern auf den Gebieten der Erziehung, Wissenschaft und Kultur zur Wahrung des Friedens und Sicherheit beizutragen, um in der ganzen Welt die Achtung vor Recht und Gerechtigkeit, vor den Menschenrechten und Grundfreiheiten zu stärken, die den Völkern der Welt ohne Unterschied der Rasse, des Geschlechts, der Sprache oder Religion durch die Charta der Vereinten Nationen bestätigt worden sind“, wie es in der Verfassung der UNESCO vom 16. 11. 1945 heißt. Die Fähigkeit, Vertrauen zu entwickeln, zu geben und zu nehmen, wirkt sich zum einen in alltäglichen, individuellen und lokal- und global-gesellschaftlichen Zusammenhängen aus, zum anderen im institutionellen, nationalen und internationalen Rahmen. Insbesondere in Krisensituationen zeigt sich, dass Vertrauen geben und empfangen eine notwendige, aber gleichzeitig problematische Vorleistung darstellt und eine breit gefächerte, kooperative Vertrauensbasis benötigt [25]. Nach Vertrauen wird überall gefragt, und Vertrauen wird formell und faktisch bei vielfältigen, privaten, gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Anlässen angeboten und gefordert. Die „Vertrauensfrage“, etwa im parlamentarischen Rahmen, gilt genau so als bedeutsam, wie in einer persönlichen Beziehung, im familiären und Freundeskreis. Misstrauen hingegen schafft Konflikte, kann Menschen entzweien und zu Völkerschlachten und Bürgerkriegen führen. Einer Vertrauensperson kann man getrost Geheimnisse anvertrauen; und Vertrauensleute, als Ombudsmann oder Ombudsfrau sind unparteiische Schiedspersonen, die bei Streit oder rechtlichen Auseinandersetzungen institutionell bestätigte Funktionen ausüben. Interessant ist, dass in der antiken Philosophie eine wort- und sinnähnliche Bedeutung von Vertrauen lediglich in der Gegenüberstellung von philia, Freundschaft und tyrannis, Unrechtsherrschaft, zum Ausdruck kommt. Freundschaft als Tugend braucht keine Forderung nach Gerechtigkeit, „denn wahre Freunde tun einander kein Unrecht“; wie tyrannis als „despotische Alleinherrschaft… die schlechteste und am weitesten von der richtigen Verfassung entfernte Verfassung“ ist (Aristoteles-Lexikon). Erst im späten 18. Jahrhundert entwickelt sich der Begriff „Vertrauen“ zu einem alle Lebensbereiche umfassenden Nenn- und Soll-Wort. Die theatralische Feststellung – Das Wort wird zur Tat – lässt sich bei der Entwicklung des Begriffs Vertrauen getrost feststellen. Die Historikerin und Direktorin des Berliner Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung, Ute Frevert, legt mit „Vertrauensfragen“ ein Buch vor, mit dem sie, wie im Untertitel formuliert „eine Obsession der Moderne“ konstatiert. Sie will den Begriff nicht nur beim Wort nehmen, sondern die vielfältigen Bedeutungen, Anwendungsformen und intellektuellen wie alltäglichen Ausprägungen historisch und aktuell herausarbeiten [26].

Vitalität und Kreativität

In der umgangssprachlichen Bedeutung wird Vitalsein als Lebendigsein und Aktivsein bezeichnet, und zwar zuvorderst im körperlichen Sinn. Erst mit dem zweiten Schritt wird dabei die geistige Vitalität als ein Merkmal der psychischen Verfasstheit des Menschen gewissermaßen als intellektuelle Wachheit aufgefasst. In der Einschätzung der Menschen zueinander und im Umgang miteinander, real und als ferne, fiktionale und virtuelle Wahrnehmung, manifestiert sich Vitalität als Augenschein und (Vor-)Urteil. Aus den Heilslehren des 18. und 19. Jahrhunderts kennen wir den Begriff der vis vitalis, der „Lebenskraft“, die sich als eine erhaltende, immer wieder neu bildende Kraft entwickelt und bis heute, etwa in der Homöopathie, verwendet wird. „Lebenskraft“ als philosophische und existentielle Verortung, kennen auch andere Kulturen, etwa die afrikanischen mit „muntu“ und „Sages“, in der asiatischen als Yin und Yang  und in der lateinamerikanischen als razón vital. So ist es erstaunlich, dass die Wissenschaften, die sich vorwiegend mit den geistigen und seelischen Verfasstheiten der Menschen und ihren vitalen Lebensäußerungen befassen, die Entwicklungspsychologie, Psychotherapie und die Künste, den dynamischen Formen der Vitalität im menschlichen Leben bisher wenig Beachtung gewidmet haben; vielleicht, weil sie allzu selbstverständlich und sich als scheinbar gradlinig darstellen? Aber: „Formen von Vitalität sind … reich an Implikationen“. Der US-amerikanische Entwicklungspsychologe und Psychoanalytiker Daniel N. Stern (geb. 1934) ist Honorarprofessor an der Universität in Genf, Lehrender an der Cornell University Medical School und Lektor an der Columbia University. Seine ins Deutsche übersetzten Bücher sind in deutschen Fachkreisen bekannt und anerkannt. Mit dem Buch „Ausdrucksformen der Vitalität“ greift er den Aspekt psychischer menschlicher Entwicklung auf, der sich als Kraft oder Stärke im humanen Dasein manifestiert. Er betrachtet dabei die miteinander zusammenhängenden dynamischen Vorgänge: Bewegung, Zeit, Kraft, Raum, Intention/Gerichtetheit, identifiziert sie als „Vitalität“ und fragt, warum es wichtig ist, die verschiedenen, dynamischen Vitalitätsformen gründlich(er) zu erforschen; und zwar mit dem Blick auf neuere neurowissenschaftliche Fragestellungen. Er diskutiert in seinem Buch „Ausdrucksformen der Vitalität“ dynamisches Erleben in Psychotherapie, Entwicklungspsychologie und den Künsten. Dabei verweist er auf die Existenz und Eigenständigkeit von dynamischen Vitalitätsformen. Im Zeitalter des kulturellen „prinzipiellen Polyglottismus“ (Juri Lotman) ist es angezeigt, auch diejenigen psychischen, vitalen Ausdrucksformen näher zu betrachten, die sich umgangssprachlich, scheinbar spontan und ungerichtet aufdrängen, etwa, wenn ein Gedanke auf einen „hereinbricht“ oder „aufscheint“, „sich nach und nach entwickelt“ oder „blitzartig überfällt“ [27]. Mit dem Begriff „Kreativitätspositiv“ drückt der Kultursoziologe Andreas Reckwitz das Phänomen und Erleben aus, dass  „das Neuartige im Sinne des Kreativen ( ) nicht lediglich vorhanden (ist) wie eine technische Errungenschaft, es wird vom Betrachter und auch von dem, der es in die Welt setzt, als Selbstzweck sinnlich wahrgenommen, erlebt und genossen“. Creare, das schöpferische Tun, hat seit Jahrtausenden einen süßen Klang, wie gleichzeitig ein Versprechen, dass kreatives Schaffen Menschsein zu ungeahnten Höhen befördert, Emanzipation und Freiheit ermöglicht und zu einer „Ästhetisierung des Sozialen“ führt. Im gesellschaftskritischen, wissenschaftlichen Diskurs ergibt sich dabei ein Spagat, der sich zwischen Faszination, Unbehagen und Distanz bewegt. Die Chance wie der Zwang zur Kreativität bringen dabei gewollte und ungewollte Aufforderungen und Herausforderungen mit sich [28].

Geistesblitze als Handlungshilfe

Wie oft, bei welchen passenden und unpassenden, alltäglichen und besonderen, zufälligen und geplanten, entspannten und angespannten… Situationen benutzen wir diese überraschende Erkenntnis, oder wenn wir den Ausspruch als Frage formulieren: „Geht dir ein Licht auf?“, als Provokation. In jedem Fall kommt zum Ausdruck die Herausforderung zum Denken! Damit bewegen wir uns zwangsläufig im Bereich „Denken oder denken lassen!“ und bei der Frage, wie Menschen die ihnen angeborene, humane Fähigkeit nutzen, (zuerst) selbst zu denken, bevor sie andere für sich denken lassen. Wir sind bei der Philosophie, von der es heißt, dass dies zum einen jeder Mensch kann und tun sollte, zum anderen jedoch stellt sie die spezielle Kompetenz dar, mit philosophischen Fragen über das eigene Leben und die (Um-)Welt nachzudenken. Foucault hat deshalb die Philosophie als Lebenskunst bezeichnet. Weil philosophieren aber auch bedeutet, nach der Wahrheit zu suchen und diese mit kritischem Verstand und Geist auch zu erkennen, zeigen sich im philosophischen Diskurs eben auch Kontroversen, mit denen es gilt, sich auseinander zu setzen. Der in Hamburg lebende, ehemalige Dozent für Sprach- und Literaturwissenschaften an den Universitäten Marburg und Hannover, Manfred Geier, stellt sich die Frage, wie philosophische „Geistesblitze“ wirken und entweder abgegrentzt oder in Beziehung gesetzt werden können zu „Erkenntnisblitzen“, also Einfällen und Lösungsmöglichkeiten, wie sie sich etwa im wissenschaftlichen Arbeiten darstellen und mit der bekannten archimedischen Erkenntnis „Heureka“( Ich hab‘s gefunden) gekennzeichnet werden, oder sich als religiöse „Erleuchtungen“ zeigen. Er definiert philosophisch orientierte Geistesblitze als „die Einheit von theoretischer Weltdeutung und praktischer Lebensorientierung“. Was sich bei Geistesblitzen ereignet und ggf. als Denk- und Handlungsmotiv folgt, lässt sich in dem Dreischritt verdeutlichen: Es muss eine Krisen- (Frage-)Erfahrung vorhanden sein – Es bedarf der Erkenntnis und des Willens, vorhandene, irritierende (und scheinbar selbstverständliche) Antworten kritisch zu betrachten – Es entsteht dabei eine neue Einsicht und Perspektive, die zu einer Denk- und Werkidee weiter gedacht wird. Er ist davon überzeugt, dass die Fragen, was Geistesblitze sind, wie sie zustande kommen und welche Auswirkungen sie haben, nur mit der Nachschau bei ganz konkreten Personen und ihren individuellen Lebensgeschichten beantwortet werden können [29]

Existenzweisen

Der Mensch als individuelles und kollektives Lebewesen braucht das rationale Bewusstsein seines Seins, ohne auf transformatorische und metamorphosische Stabilitäten verzichten zu können; diese gängige Auffassung von der Tatsache, dass der Mensch ein Körper- und Geistwesen ist, gewinnt an existentieller Bedeutung dann, wenn die Frage nach dem „Sinn des Lebens“ deutlich wird; vor allem dann, wenn das Bewusstsein vorherrscht, dass es nicht genügt, (nur) die materielle Existenz im Blick zu haben. Richtungsweiser dahin zeigen sich etwa in der Kenntnis, dass die Prozesse, die die Welt und die Menschen bewegen, netzwerkartig agieren, was bedeutet, dass die sozialen Elemente aus verschiedenen Zusammenhängen bestehen, sich aber in ihren unterschiedlichen Phänomene und Wirkungsweisen gegenseitig ergänzen, miteinander korrelieren und Handlungspotentiale anbieten. Der französische Soziologe Bruno Latour, der in der Rezeption seines intellektuellen Schaffens auch als „Hegel unserer Zeit“ bezeichnet wird, entwickelt aus der Tatsache, dass „Alles mit Allem zusammen hängt“ eine „Assoziologie“, die er als „Akteur-Netzwerk-Theorie“ bezeichnet. Mit der ANT will der Autor im wissenschaftlichen, intellektuellen und alltäglichen Diskurs eine neue Form einer digitalen Kommunikation kreieren, die den möglichen Wahrheiten in der Welt näher kommt, als dies mit den üblichen, traditionellen Mitteln und Gewohnheiten möglich ist. Es geht darum, den „Widerspruch zwischen den Erfahrungen der Welt und den Berichten, in denen darüber … Rechenschaft gegeben wird“ aufzulösen, zumindest aber habhafter zu machen. Der Versuch, dieses einmal anders als auf den geebneten Straßen und abgegrenzten Kanälen mit den Methoden des Akteurnetzwerks zu be(er)fahren, macht die Besonderheit und Interessantheit von Latours dezidiertem und nicht selten schmerzhaftem Fragens aus, aus dem – beinahe naiv und doch so tiefgründig – ein Erstaunen deutlich wird, dass „in der Wissenschaft nicht alles wissenschaftlich, im Recht nicht alles juristisch, in der Ökonomie nicht alles ökonomisch…“ ist [30]. Wer mit sich und der Welt zufrieden ist, muss philosophieren – Unzufriedene erst recht! Die Frage nach dem Sinn des Lebens kann sowohl religiös als auch atheistisch gestellt werden (vgl. dazu Anm. 1). Notwendig ist in allen Fällen das Bemühen um „Wahrheit“, das sich sowohl als „Glaubenswahrheit“, als auch an Religionskritik äußern kann. Der Berliner Philosoph Volker Gerhardt gehört einer 1989 gebildeten Vereinigung an, die sich zum Ziel gesetzt hat, interdisziplinär tragfähige Zugänge zu den Grundlagen des politischen Denkens und Handelns zu suchen und Antworten auf aktuelle politische Fragen zu geben [31]. Mit seinem Buch „Der Sinn des Sinns“ bemüht sich der Autor, über das Göttliche nachzudenken. Es wäre fatal und ideologisch zugleich, würde er sein philosophisches Nachdenken darüber als „Gebote“ formulieren; er setzt vielmehr  einen anderen, ehrlicheren Akzent: Wenn Glaube als existentieller Akt bezeichnet werden kann, gilt die Tatsache, „dass wir vom Glauben nicht loskommen, solange wir noch etwas zu wissen glauben“. Er stellt damit einen Zusammenhang von Wissen und Glauben her; und er geht davon aus, dass wir Menschen in der sich immer interdependenter und entgrenzender entwickelnden Welt, in der scheinbar alles Wissen zu jeder Zeit und sofort verfügbar ist, was verbunden ist mit der Auffassung, auch alles machen zu können, was wir zu wissen glauben, „die Defizite größer werden, die dem Menschen scheinbar nur noch die Alternative zwischen Achselzucken und Glauben offen lassen“. Mit diesem Dilemma positioniert sich der Autor mit seiner historischen und systematischen Analyse: „Ein verantwortlicher, ein dem Selbstverständnis des Menschen einzig angemessener Umgang mit der sich an den Grenzen von Wissenschaft und Technik zunehmend auftuenden Ratlosigkeit ist nur im Glauben möglich“. Er betont dabei, dass „Glauben kein fester Besitz“ ist, sondern die Anstrengung erfordert, „die uns das Leben nicht erst am Ende abverlangt, sondern tagtäglich von uns fordern kann, solange es uns um etwas geht“. Mit dieser Verpflichtung erklärt Gerhardt auch die Titelgebung: Der „Sinn des Sinns“, oder auch das „Ideal der Ideale“ mit dem Bewusstsein, dass „das Göttliche ( ) eine Macht im menschlichen Leben (ist)“ [32]. Um den populären, treffenden, jedoch lapidaren Spruch zu benutzen: „Leben ist eines der schwierigsten!“, braucht es keiner geistigen Anstrengung. Denn die Tatsache, dass beim Leben immer auch das Risiko mitspielt, Unwägbarkeiten und Imponderabilien im Wege stehen, dürfte jedem Menschen bewusst sein. Von der „Weltrisikogesellschaft“ (Ulrich Beck) wird gesprochen, zum „Handeln unter Risiko“ (Herfried Münkler) werden Ideen und Vorschläge entwickelt; ja sogar vom „Bluff“ und von der „Fälschung der Welt“ (Manfred Lütz) wird gewarnt. Beim Versuch, Risiken zu erkennen, einschätzen und mit ihnen umgehen zu lernen, bietet sich dabei zum einen die wissenschaftliche Analyse an, mit der etwas festgestellt und bewertet wird, um die Diagnose in einem Gutachten, einem Regelwerk, einem Gesetz oder einer Handlungsanweisung umzusetzen; oder (und) das Wagnis einzugehen, sich bei einem gemeinsamen Entdeckungsprozess und Dialog auf die Suche nach der individuell und gesellschaftlich passenden und adäquaten Risikokompetenz zu begeben. Der Psychologe, Direktor des Berliner Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung und des Harding-Zentrums für Risikokompetenz, Gerd Gigerenzer, ist überzeugt, dass jeder Mensch den Umgang mit Risiko und Ungewissheit lernen kann, dass Experten(meinungen) eher ein Teil des Problems als die Lösung sind, und dass beim Nachdenken und den Auseinandersetzungen über Risiko weniger mehr ist [33].

Freiheit ist nicht nur ein Wort

Der Mensch als frei und gleich an Würde und Rechten geborenes, mit Vernunft ausgestattetes, zwischen Gut und Böse unterscheidungsfähiges, zur Bildung von Allgemeinurteilen befähigtes und auf die Gemeinschaft mit den Mitmenschen angewiesenes Lebewesen, wie dies in der abendländischen, anthropologischen (aristotelischen) Philosophie (Otfried Höffe, Aristoteles-Lexikon, 2005) zum Ausdruck kommt und in der globalen Ethik der Menschenrechtsdeklaration der Vereinten Nationen proklamiert wird, ist verwiesen auf die Individualität und Selbstbestimmung des menschlichen Daseins. Kaum ein Wert, der die Humanität der menschlichen Existenz ausmacht, wird jedoch in der Geschichte der Menschheit so in Frage gestellt wie der Freiheitsbegriff und durch die (un-)freiheitliche Wirklichkeit konterkariert. Keine menschliche Gemeinschaft kann ohne Freiheit existieren, will sie sich nicht aufgeben oder darauf verzichten, was Menschsein ausmacht! In kaum einem anderen Existenz- und Sehnsuchtsbegriff verdeutlicht sich die Diskrepanz von Willentlichkeit und Wirklichkeit so wie im Wort und in der Wirkung von Freiheit. Es sind sowohl die unendlichen Weiten und Horizonte, die Freiheit ermöglichen, als auch die von Menschen gebauten Zäune, Mauern und Minenfelder, wie auch die unsichtbaren Wände, die Freiheit einschränken oder verhindern. „Die Freiheit hat für den Menschen generell und für die Moderne im besonderen eine konstitutive Bedeutung“; diese These stellt der Tübinger Philosoph Otfried Höffe an den Anfang seiner Studie über die „Kritik der Freiheit“, ganz im Sinne der abendländischen philosophischen Traditionen, dass ein Nachdenken über sich, Gott und die Welt immer Lebenskunst darstellt und verbunden sein muss mit individueller Identitätsfindung und Gesellschaftskritik. Diese Herausforderungen haben sich beim menschlichen Nachdenken über „Wer bin ich?“ immer schon gestellt, und sie stellen sich heute, in der Moderne, in besonderer Weise. Die Auffassung von der Moderne, wie sie uns als Ergebnis der Aufklärung zugekommen und vom Bewusstsein getragen ist, dass die Menschheit, will sie human überleben, eines Perspektivenwechsels hin zu einem „aufgeklärten Liberalismus“, erzwingt, ist nicht unumstritten. Unstrittig ist, dass der Mensch, will er human leben und überleben, ein auf Wandel und Veränderung angelegtes Lebewesen und zum Perspektivenwechsel fähig ist. Dies hat z. B. die Weltkommission „Kultur und Entwicklung“ bereits vor zwanzig Jahren gefordert hat: „Die Menschheit steht vor der Herausforderung umzudenken, sich umzuorientieren und gesellschaftlich umzuorganisieren, kurz: neue Lebensformen zu finden“. Höffe differenziert die Fragen nach Freiheit im lokalen und globalen Dasein der Menschen zu den Aspekten: Freiheit von Naturzwängen - Freiheit in Wirtschaft und Gesellschaft – in Wissenschaft und Kunst - Politische Freiheit - Personale Freiheit. Das Freiheitsstreben in der Moderne muss bestimmt sein von dem Bewusstsein: „Die Freiheit ist das höchste Gut des Menschen, sie macht seine Würde aus“ [34].

Traditionelles Denken und Handeln

Traditionen zeigen sich in vielfältigen Formen und treten kontextuell auf. Die Frage, was Traditionen sind und wie sie sich als Traditionalismen verdeutlichen, bedarf der interdisziplinären, ganzheitlichen Betrachtung. Dabei können die anthropologischen und ethnologischen Aspekte gewissermaßen Leitfunktionen haben. Die Selbst- (und durchaus auch die Fremd-)identifikationen bei der Beschreibung und Zuordnung zu einer Tradition, etwa einer Volksgruppe oder Nation, hat sowohl identitätsstiftende, als auch ab- und ausgrenzende Bedeutung: „Ethnische Identität (ist) immer das Produkt externer und interner Definition“. Der Wiener Verein für Geschichte und Sozialkunde und die entwicklungspolitische NGO, Südwind, sind in einem Sammelband der Frage nachgegangen, wie sich in der Moderne Traditionen verändert haben. Die Unterschiedlichkeiten von Tradition und Traditionalismus zeigen sich in Realitäten und Realitätsverkennungen. Traditionelles Denken und Handeln kann sich sowohl in Fehldeutungen und -einschätzungen, als Einbildung, Imagination, Erdichtung, Fiktion, Trugbild oder Wunschtraum darstellen, als auch als stabile Werthaltung und Weitergabe von Handlungsmustern, Überzeugungen, Glaubensvorstellungen… zeigen. In der sich radikal wandelnden, scheinbare Gewissheiten produzierenden und Ungewissheiten schaffenden (Einen?) Welt sind Menschen auf Traditionen angewiesen, wie sie auch in die Falle von Gewohnheiten und scheinbaren„Wahrheiten“ tappen können [35].

Menschen sind grundsätzlich wandelbare Lebewesen

Die Frage nach dem Wesen und dem Sein des Anthrôpos hat Menschen bewegt, seit sie existieren. Der Mensch als zôon logon echon, als sprach- und vernunftbegabtes Lebewesen, wie auch als zôon politikon, als politisches, soziales und gemeinschaftsbildendes Lebewesen, das ein eu zên, ein gutes, glücklich-gelingendes Leben anstrebt, wie dies Aristoteles formuliert hat, das die allen Mitgliedern der menschlichen Familie innewohnende Würde in sich trägt, wie dies in der Präambel der von den Vereinten Nationen am 10. Dezember 1948 proklamierten Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte zum Ausdruck kommt, dessen „kreative Vielfalt“ als Merkmal der Menschheit gilt (Weltkommission „Kultur und Entwicklung“, 1995), ist nicht darauf zu begründen, dass die Natur, wie im Mythos der conditio humana der philosophischen Anthropologie postuliert wird, Grundlage des Menschseins darstellt; vielmehr, das ist die Diktion der historischen Anthropologie, dass „Menschen ( ) als je konkret in ihrer Zeit, ihrer Kultur, ihrer sozialen und individuellen Geschichte verweilende und einem permanenten Wandel unterworfene Personen betrachtet“ werden. Die conditio humana wird damit nicht in den Urgrund der Natur verwiesen, sondern als ein offener Prozess verstanden, der sich „in der Geschichte des Menschlichen entfaltet und erschließt“. Die traditio humana, als ein bedeutsamer Strang in der historisch-anthropologischen Forschung geht davon aus, dass „das Menschen Mögliche ( ) erkennbar (ist) an dem, was Menschen bisher möglich war, aber dieses ist nicht sein endgültiges Maß. Alles Dagewesene ist Menschen möglich, aber es ist keinesfalls schon alles Mögliche da gewesen“. Es geht also in der historischen Anthropologie darum, „Wissen von und über Menschen aus verschiedensten Epochen und Kulturen gleichsam zu einem Album des Menschlichen zusammenzufügen zu einer Erkundung des Menschlichen“, und zwar „im Rückblick auf geschichtlich und im Hinblick auf gegenwärtig verwirklichte Menschlichkeiten den reflexiven Horizont der Gegenwärtigen auf die Vielfalt der Möglichkeiten menschlicher Existenzweisen hin auszuweiten“. Am Institut für Erziehungswissenschaften der Universität Innsbruck wird seit den 1980er Jahren ein Verständnis von transdisziplinären Erziehungswissenschaften gepflegt, bei dem die Historische Anthropologie, Zivilisationsgeschichte, Historische Psychologie, Psychohistorie und eine Reihe weiterer quer zu den disziplinären Ordnungen der Fachwissenschaften liegende Denkrichtungen zusammenarbeiten. Der in Innsbruck und Bozen lehrende Anthropologe und Erziehungswissenschafter Bernhard Rathmayr (em.) gibt, zusammen mit den Innsbrucker Erziehungswissenschaftlerinnen Helga Peskoller und Maria A. Wolf im transcript Verlag  die Reihe „Konglomerationen“ heraus, in eine interdisziplinäre Forschungs- und Praxisdiskussion „am Scheideweg der Gegenwart das labile Verhältnis von Absicherung und Entsicherung für künftige Alltagswelten geklärt werden und prinzipiell offen bleiben“ soll. Mit dem Band „Selbstzwang und Selbstverwirklichung“ subsumiert er gewissermaßen den Ertrag seines akademischen Lebens und Lehrens und zeigt anthropologische, pädagogische, gesellschaftswissenschaftliche und historische Aspekte auf, wie der „abendländische Mensch“ geworden ist wie er ist und gerüstet ist für die globale Moderne [36].

Vom Skandalon des kapitalistischen Reichtums und der prekären Armut in der Welt

Die Reichen – sowohl in den Industrie-, wie in den so genannten Entwicklungsländern – werden reicher, und die Armen werden ärmer. Dieses oft gehörte und zitierte Fazit der menschlichen Entwicklung auf unserer Erde, die wir mittlerweile gerne als EINE WELT bezeichnen, ist Kennzeichen des unbefriedigenden Zustandes der Menschheit. Die Folgen dieser ungerechten Entwicklung - Hungersnöte, gesellschaftliche Konflikte, Migration, Terror - bedürfen einer dringenden genaueren Betrachtung, und sie müssen Bestandteil eines allumfassenden Lern- und Veränderungsprozesses werden, sollen nicht die Aufmerksamkeiten und ethischen Forderungen, wie sie sich im Menschenrechtsdiskurs vollziehen, durch egoistische und menschenverachtende Entwicklungen kassiert werden. Der Diskurs über Ursachen und Auswirkungen der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrisen reicht ja vom eher als Beruhigungspille verabreichten „Es wird schon nicht so schlimm kommen!“ und „Der Markt wird‘schon richten!“, über Vorschläge für ein anderes ökonomisches Denken und Handeln mit Ratschlägen darüber, wie der homo oeconomicus endlich erkennen solle, dass es Alternativen zum kapitalistischen und neoliberalen System gibt, bis hin zu der Erkenntnis: „Wenn aber die Globalisierung mehr Menschen in den Zustand oder die Stimmung versetzt, sich machtlos zu fühlen, dann muss in einer Demokratie reagiert werden“, wie dies die Enquete Kommission des Deutschen Bundestages in ihrem Schlussbericht „Globalisierung der Weltwirtschaft – Herausforderungen und Antworten“ (12.6.2002) zum Ausdruck bringt. Abwarten oder gar Aussitzen ist nicht mehr möglich, angesichts der zunehmenden Ungerechtigkeiten, die sich lokal und global auftun. Die Reaktionen, ob evolutionär oder revolutionär motiviert Wenn sich also Argumente und Prognosen über den unhaltbaren und unmenschlichen Zustand der Welt verdichten, und die negativen, kapitalistischen Entwicklungen des homo oeconomicus immer deutlicher werden, melden sich mittlerweile nicht nur System- und Gesellschaftskritiker zu Wort, sondern auch kritische Geister, die bisher eher marktkonforme und neoliberale Positionen vertraten. Es ist sicherlich nicht diskriminierend festzustellen, dass der Mitherausgeber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, Frank Schirrmacher (+) nicht gerade zu den herausragenden Kapitalismuskritikern gehörte. Wenn er in seinem Buch „Ego. Das Spiel des Lebens“ die populären und wissenschaftlichen Auseinandersetzungen über den notwendigen lokalen und globalen Perspektiven- und Systemwechsel, weg vom kapitalistischen, neoliberalen und hin zu einem ethisch-fundierten nachhaltigen Denken und Handeln, zusammenfasst, lässt sich die Argumentation auch als posthumer, aktuell gültiger Warnruf verstehen [37].

Fazit

In einer Fernsehsendung unterhält sich der französische Fernsehmoderator Bernard Pivot mit einem Dominikanerpater, einem Physiktheoretiker und einem buddhistischen Mönch über die Leibnitzsche Frage: Pourquoi y-a-t-il quelque chose plutôt que rien?“ – Warum ist etwas und nicht nichts? Der Kleriker äußert natürlich, dass die Wirklichkeit göttlichen Ursprungs sei; der Physiker erläutert forsch, dass sich die Existenz des Universums rein zufällig vorhandenen Quantenfluktuationen verdanke. Der Buddhist lächelt und sagt mit sanfter Stimme, er glaube, dass das Universum keinen Beginn habe, denn ein Nichts könne niemals Sein hervorbringen. Mit dem buddhistischen Pfad der Erleuchtung könne es Menschen gelingen, dem Rätsel des Seins auf die Spur zu kommen. Mit dieser Geschichte beendet der US-amerikanische Autor und Essayist Jim Holt sein 2012 erschienenes Buch „Why Does the World Exist? An Existential Detective Story“, das 2014 der Rowohlt-Verlag mit dem Titel „Gibt es alles oder nichts? Eine philosophische Detektivgeschichte“ herausgebracht hat. [38]. Mit dem Rundumschlag und der Besichtigung des (subjektiv ausgewählten) Diskussions- und Publikationsumfeldes zur menschlichen Haltung „Aufmerksamkeit“ lässt sich erkennen, dass diese Tugend unserer individuellen und lokal- und globalgesellschaftlichen Aufmerksamkeit bedarf! Autor
Dr. Jos Schnurer
Ehemaliger Lehrbeauftragter an der Universität Hildesheim
E-Mail Mailformular


[1] Vgl. dazu: Jos Schnurer, Wer philosophiert – lebt! 28.01.2014, zur socialnet Materialie 

[2] Lydia Maria Arantes / Elisa Rieger, Hrsg., Ethnographien der Sinne. Wahrnehmung und Methode in empirisch-kulturwissenschaftlichen Forschungen, 2014, zur Rezension

[3] Günter Gödde / Jörg Zirfas, Hrsg., Takt und Taktlosigkeit. Über Ordnungen und Unordnungen in Kunst, Kultur und Therapie, 2011, zur Rezension

[4] Asfa-Wossen Asserate, Deutsche Tugenden. Von Anmut bis Weltschmerz, 2012, zur Rezension

[5]. vgl. dazu auch: David Eagleman, Die geheimen Eigenleben unseres Gehirns, 2012, zur Rezension

[6] Ernst Peter Fischer:,GENial! Was Klonschaf Dolly den Erbsen verdankt - Ein Streifzug durch die Genetik, 2012, zur Rezension

[7] Siegfried Schumann, Individuelles Verhalten. Möglichkeiten der Erforschung durch Einstellungen, Werte und Persönlichkeit, 2012, zur Rezension

[8] Hans Hoch / Peter Zoche, Hg., Sicherheiten und Unsicherheiten. Soziologische Beiträge, zur Rezension

[9] Karl Heinz Bohrer, Selbstdenker und Systemdenker. Über agonales Denken, 2011, zur Rezension

[10] Elinor Ostrom, Was mehr wird, wenn wir teilen. Vom gesellschaftlichen Wert der Gemeingüter, 2011, zur Rezension

[11] F. Ricken, in: Otfried Höffe, Aristoteles-Lexikon, Stuttgart 2005, S. 89f

[12] Joachim Bauer, Selbststeuerung. Die Wiederentdeckung des freien Willens,  2015, zur Rezension

[13] vgl.: zur Rezension; siehe auch: Barbara Birkhan, Foucaults ethnologischer Blick. Kulturwissenschaft als Kritik der Moderne, 2010, zur Rezension

[14] Heinz von Foerster / Bernhard Pörksen, Wahrheit ist die Erfindung eines Lügners. Gespräche für Skeptiker, 2011, zur Rezension

[15] Peter Brüger / Jörg Lau, Hrsg., Sag die Wahrheit! Warum jeder ein Nonkonformist sein will, aber nur wenige es sind, 2011, zur Rezension

[16] Rahel Jaeggi / Daniel Loick, Hrsg., Nach Marx. Philosophie, Kritik, Praxis, 2013, zur Rezension

[17] Richard Sennet, Zusammenarbeit. Was unsere Gesellschaft zusammenhält, 2012, zur Rezension

[18] Martina Franzen / Alena Jung / David Kaldewey / Jasper Korte, Hrsg., Autonomie revisited. Beiträge zu einem umstrittenen Grundbegriff in Wissenschaft, Kunst und Politik, 2014, zur Rezension

[19] Franz Josef Wetz, Rebellion der Selbstachtung. Gegen Demütigung, 2014, zur Rezension

[20] Wolfgang Welsch, Homo mundanus. Jenseits der anthropischen Denkform der Moderne, 2012, zur Rezension

[21] Harald Weinrich, Über das Haben. 33 Ansichten, 2012, zur Rezension

[22] Thomas Strässle, Gelassenheit. Über eine andere Haltung zur Welt, 2013, zur Rezension

[23] Regine Strätling, Hrsg., Spielformen des Selbst. Das Spiel zwischen Subjektivität, Kunst und Alltagspraxis, 2012, zur Rezension

[24] Martin Hartmann, Die Praxis des Vertrauens, 2011, zur Rezension

[25] Markus Weingardt, Hrsg., Vertrauen in der Krise. Zugänge verschiedener Wissenschaften, 2011, zur Rezension

[26] Ute Frevert, Vertrauensfragen. Eine Obsession der Moderne, 2013, zur Rezension

[27] Daniel N. Stern, Ausdrucksformen der Vitalität, 2011, zur Rezension

[28] Andreas Reckwitz, Die Erfindung der Kreativität, 2012, zur Rezension

[29] Manfred Geier, Geistesblitze. Eine andere Geschichte der Philosophie, 2013, zur Rezension

[30] Bruno Latour, Existenzweisen. Eine Anthropologie der Modernen, 2014, zur Rezension

[31] Volker Gerhardt / Clemens Kauffmann / Hans-Christof Kraus / Reinhard Mehring / Henning Ottmann, Hrsg., Politisches Denken. Jahrbuch 2013, zur Rezension

[32] Volker Gerhardt, Der Sinn des Sinns. Versuch über das Göttliche. 2014, zur Rezension

[33] Gerd Gigerenzer, Risiko. Wie man die richtigen Entscheidungen trifft, 2013, zur Rezension

[34] Otfried Höffe, Kritik der Freiheit. Das Grundproblem der Moderne, 2015, zur Rezension

[35] Hermann Mückler / Gerald Faschingeder, Hrsg., Tradition und Traditionalismus. Zur Instrumentalisierung eines Identitätskonzepts, 2012, zur Rezension

[36] Bernhard Rathmayr, Selbstzwang und Selbstverwirklichung. Bausteine zu einer historischen Anthropologie der abendländischen Menschen, 2011, zur Rezension

[37] Frank Schirrmacher, Ego. Das Spiel des Lebens, 2013, zur Rezension

[38] Jim Holt, Gibt es alles oder nichts? Eine philosophische Detektivgeschichte, 2014, zur Rezension

Aktuelle Rezension

Buchcover

Heidrun Kiessl: Systemische Ansätze in der Heilpädagogik. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2019. 170 Seiten. ISBN 978-3-17-033064-1.
Rezension lesen   Buch bestellen

zu den socialnet Rezensionen

Stellenmarkt

Weitere Anzeigen im socialnet Stellenmarkt.

Facebook

socialnet ist auch bei Facebook vertreten und informiert dort regelmäßig über neue Angebote und Beiträge.
Werden Sie Fan von socialnet.