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CfP: Figurationen der Wohnungsnot - Kontinuität und Wandel sozialer Praktiken, Sinnzusammenhänge und Strukturen

Trotz des Ausbaus von vielfältigen institutionellen und informell-ehrenamtlichen Unterstützungsstrukturen und dem verbrieften Recht auf Wohnen als international anerkanntes Menschenrecht verschärft sich derzeit das soziale Problem der Wohnungsnot. Menschen ohne eigene Wohnung leben in einer biografisch prekären Lebenssituation, die mit einem Mangel an ökonomischen, kulturellen und sozialen Ressourcen einhergeht. Sie werden zu Zielgruppen von Angeboten und Maßnahmen der Sozialen Arbeit, der Sozial- und Arbeitsmarktpolitik, der Gesundheitsfürsorge, der Resozialisierung, der Sozialplanung oder der ‚Mitleidsökonomie‘, die subsidiären, aktivierenden, paternalistischen, resilienzfördernden, kontrollierenden, partizipativen oder philanthropischen Charakter haben können. 

Um die pluralen Lebenswelten von Menschen ohne eigene Wohnung zu verstehen, möchte die Sekion Sozialwissenschaften an der TH Nürnberg Georg Simon Ohm, mit einer geplanten Konferenz am 29. und 30. September 2018 den Blick auf die jeweiligen Figurationen der Wohnungsnot lenken.

Unter dem Titel "Figurationen der Wohnungsnot - Kontinuität und Wandel sozialer Praktiken, Sinnzusammenhänge und Strukturen" lädt sie im Vorfeld zu Fachbeiträgen ein, um die komplexen Interdependenzgeflechte, in denen sich Menschen ohne eigene Wohnung befinden, zu analysieren. Die Veranstalter freuen sich über theoretische und empirische sowie interdisziplinäre oder ländervergleichende Beiträge. Auch studentische Arbeiten seien willkommen, sofern es sich um Ergebnisse aus Qualifizierungsarbeiten (Bachelor, Master) handelt. Schließlich solle im Rahmen der Konferenz auch die Endergebnisse des studentischen Lehrforschungsprojekts Wohnungslosigkeit in der Metropolregion Nürnberg der TH Nürnberg vorgestellt werden.

Im Call dazu heißt es: "Norbert Elias beschreibt mit dem Begriff der Figuration das komplexe Interdependenzgeflecht beziehungsweise Netzwerk von Beziehungen, in dem Menschen in einer Gesellschaft agieren. Menschen ohne eigene Wohnung werden von uns nicht als sozial Ausgeschlossene und vereinsamte Eremiten gesehen.

Vielmehr vertreten wir die Position, dass Menschen in ihrem Sein und ihrer Existenz immer gesellschaftsbezogen agieren. Sie befinden sich daher stets in Beziehungsgeflechten mit anderen Menschen. Diese Beziehungsgeflechte lassen sich durch eine ‚Vielspältigkeit der Interessen' (Elias) und ungleiche Machtverhältnisse charakterisieren. Menschen ohne eigene Wohnung bleiben in irgendeiner Form auf andere Menschen angewiesen, die sowohl Freunde, Verbündete oder Aktionspartner als auch Interessensgegner, Konkurrenten oder Feinde sein können. Die Analyse von interdependenten und relationalen Beziehungsgeflechten von Menschen ohne eigene Wohnung eröffnet den Blick sowohl auf gesellschaftliche Normalitätsvorstellung und kulturelle Labeling- und Zuschreibungsprozesse als auch auf involvierte und sich artikulierende Subjekte mit (sub-)kulturellen Sinn- und Identitätskonstruktionen und eigensinnigen kulturellen Praxisformen.

Die beteiligten Menschen werden von uns nicht als passive ‚Opfer der Verhältnisse' gesehen, sondern verfügen über relative Autonomie, Handlungsfähigkeit sowie individuelle Lebensentwürfe und Erfahrungen. Sie interpretieren und deuten spezifische Situationen innerhalb von Beziehungsgeflechten, sie treffen Entscheidungen und gehen Beziehungen ein. Figurationen der Wohnungsnot beziehen sich dabei auf viele Themenfelder."

Liste der Themen (nicht abgeschlossen), mit denen sich die Konferenz beschäftigen möchte, Hintergründe, inhaltliche und organisatorische Informationen (PDF-Dokument)

Einsendeschluss ist der 30. Juni 2018
Im Anschluss an die Konferenz ist geplant, die Vorträge als Buchbeiträge im Sammelband Figurationen der Wohnungsnot im Verlag Beltz Juventa zu veröffentlichen.

 


Quelle: Call der Sektion Sozialwissenschaften an der Technischen Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm

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Buchcover

Klaus-Peter Hufer: Argumentations­training gegen Stammtischparolen. Wochenschau Verlag (Schwalbach/Ts.) 2016. 10. Auflage. 117 Seiten. ISBN 978-3-87920-054-2.
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