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CfP: Körper, Wissen, Tod – Sozialwissenschaftliche Zugänge zwischen Lebenswelt und Transzendenz

12.11.2017 | Gesundheitswesen, Forschung

Eine sozialwissenschaftliche Tagung an der Universität Passau will im Mai kommenden Jahres soziologische Perspektiven auf Sterben und Tod insgesamt werfen und dabei vor allem den Übergangsbereich zwischen einer körperfixierten und einer beinahe schon "körpertranszendenten" Umgangsweise mit dem Tod (wie etwa durch die Thematisierung in Internet-Trauerforen, durch Online-Friedhöfe und alternative Memorialpraktiken usw.) ausloten. Ansätze der Wissenssoziologie sollen als Leitfaden fungieren, um theoretische wie empirische Forschung einem interessierten Publikum vorzustellen.

Sterben, Tod und Trauer scheinen in der gegenwärtigen soziologischen Debatte keine vordergründigen Themen zu sein; tatsächlich jedoch haben sich bereits die Gründerväter der Disziplin (Weber, Durkheim, in geringerem Maße auch Simmel) mit dem Lebensende und seinen gesellschaftlichen Implikationen befasst. Später wurden diese Arbeiten punktuell fortgesetzt; hier ist insbesondere das Interesse von wis- senssoziologisch orientierten Soziologinnen und Soziologen auffallend (Schütz, Scheler, Elias, Luhmann, Linde- mann, Knoblauch u.a.).

Schon Berger und Luckmann sprechen von der "Grenzsituation per excellence", welche die "Gewißheit der Wirklichkeit des Alltagslebens" bedrohe. Das wissenssoziologische Interesse am Lebensende ist nicht überraschend, denn Sterben, Tod und Trauer sind keineswegs substanzielle "Leiberfahrungen" bzw. anthropologisch vordefinierte Verhaltensmechanismen. Tatsächlich handelt es sich um Praktiken, die, durchaus körperspezifisch, über Sozialisationserfahrungen als bloß vermeintliche "Natur des Menschen" verinnerlicht werden. Mithin ist das Ende des Lebens weit mehr als ein biologischreduktionistisch interpretiertes Ende der Funktionstüchtigkeit des menschlichen Körpers. Der Tod und seine Prozesse spielen sich eben nicht unabhängig von Aushandlungen und Sinnsetzungen ab. Beispielsweise lässt sich plausibel rekonstruieren, dass Todesfeststellungsverfahren – eine Leistung der Expertenwissenskultur Medizin – überhaupt erst zu einem Verständnis dazu führen, was das Leben vom Tod trennt. Foucault hat diesen Zusammenhang als eine Art Verschiebungsphänomen gewürdigt: "Der Tod ist eine schmale Linie", die je nach Situation oder kultureller Rahmung in die eine oder in die andere Richtung verlagert werden kann. Untersuchungen etwa zur sozialen Konstruktion des Hirntodes bzw. zur Grenzziehung des Sozialen am Beispiel "unsicherer" Körperzu- stände konnten seither unterstreichen, dass die Frage, wie lebendig bzw. wie tot jemand ist, eine wissensabhängige Entscheidung ist – und nicht ein selbsterklärendes Faktum.

Eingeladen wird nicht nur zu Vorschlägen sozialwissenschaftlicher Themenbeiträge. Willkommen sind in diesem Sinne auch Beiträge aus medizin-, religions- und kultursoziologischer Perspektive, die sich mit dem Verhältnis von Körper, Wissen und Tod befassen. 

Die Tagung findet am 25. und 26. Mai 2018 an der Universität Passau statt und wird am Lehrstuhl für Soziologie ausgerichtet. Vortragsvorschläge im Umfang von 1 bis 1,5 Seiten senden Sie bitte bis spätestens 5. Januar 2018 an: Thorsten.Benkel@uni-passau.de


Quelle: Call der Universität Passau vom 10. November 2017

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Klaus-Peter Hufer: Argumentations­training gegen Stammtischparolen. Wochenschau Verlag (Schwalbach/Ts.) 2016. 10. Auflage. 117 Seiten. ISBN 978-3-87920-054-2.
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