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Anonym oder personal?

Dr. Jos Schnurer

31.10.2016

Collage: Dr. Jos Schnurer Collage: Dr. Jos Schnurer
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Die Vielfalt der unterschiedlichen Begriffs-, Wort- und Benennungsbedeutungen bringen Unruhe und Unsicherheit ins Nachdenken. In der Persönlichkeitspsychologie und –philosophie kommt der PERSON als real existierendes, humanes Lebewesen eine besondere Aufmerksamkeit zu. Personalität als normativer Begriff wird im neuzeitlichen, philosophischen Denken verbunden mit den ebenfalls normativen Begriffen „Individualität“ und „Rationalität“. Eine Person ist demnach ein Lebewesen, das von seelischen, physischen und psychischen Bestimmtheiten geprägt bzw. beeinflusst ist[i]. Personalität oder Persönlichkeit ist bestimmt von Merkmalen, die als Charaktereigenschaften dem anthrôpos, dem Menschen, als anthropologische Tugenden zugeschrieben werden: Der Mensch ist ein vernunft- und sprachbegabtes Lebewesen, das kraft seines Verstandes in der Lage ist, Allgemeinurteile zu bilden, zwischen Gut und Böse unterscheiden zu können und darauf angewiesen ist, (friedlich und gerecht) mit den Mitmenschen zusammen zu leben.. Als zôon politikon, als politisches Lebewesen, strebt der Mensch für sich (und alle Menschen auf der Erde) ein gutes, gelingendes Leben an[ii]. Dass dieser lobenswerte Vorsatz in den faktischen Wirklichkeiten der prekären und unsicheren (Einen?) Welt anscheinend (zumindest derzeit) kaum Chancen auf Erfüllung hat, ist bedauerlich; jedoch muss die Hoffnung bleiben, die sich im Sommer wieder beim Weltsozialforum im kanadischen Montreal artikulierte: Eine bessere, gerechtere und friedlichere Welt ist möglich! Diese Vision wird jedoch nur realisierbar sein, wenn es gelingt, möglichst allen Menschen auf der Erde bewusst zu machen, was zuoberst in der „globalen Ethik“, der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte vom 10. Dezember 1948 postuliert wird: Die Anerkennung der allen Mitgliedern der menschlichen Familie innewohnenden Würde und ihrer gleichen und unveräußerlichen Rechte bildet die Grundlage der Freiheit, der Gerechtigkeit und des Friedens in der Welt. Mit diesem politischen Bewusstsein verbindet sich die Herausforderung, dass jeder Mensch permanent die Verantwortung für ein humanes Dasein der Menschheit in Gegenwart und Zukunft mit sich trägt. Mit dieser Einstellung geht einher die Kompetenz, intellektuell politisch denken und handeln zu können; also den Entwicklungen und Imponderabilien zur Lage der Welt gewissermaßen „aufs Maul zu schauen“.

Wer mit sich und der Welt unzufrieden ist, muss philosophieren, wem wohl ist, erst recht![iii]. Weil Begriffe, Benennungen und Klassifizierungen Wirklichkeiten schaffen und das individuelle und kollektive Leben der Menschen beeinflussen und bestimmen (können), kommt es darauf an, Wörter, die uns in unserem Alltag oftmals begegnen, zu erklären, zu befragen und die Bedeutung für sich selbst und das lokale und globale gesellschaftliche Zusammenleben zu ergründen. Der Begriff „anônymos“ (άνώνυμος) wird in der antiken griechischen Philosophie als „namenlos“ benannt, und zwar um Phänomene zu bezeichnen, für die es in der Sprache kein Synonym gibt; z. B. beim moralischen Diskurs über Charaktertugenden, wie etwa um einen extremen Mangel an Furcht zu artikulieren, für das richtige Maß nach Ehre zu streben, ein Zuviel oder Zuwenig von Zorn, von Sanftmut und die Mitte zwischen Neid und aufrichtiger Empörung auszudrücken[iv]. Im alltagssprachlichen Umgang wird „Anonymität“ in unterschiedlicher Weise benutzt; etwa wenn von „anonymen Alkoholikern“ die Rede ist, oder wenn der „Anonymus“ etwas nicht mit seinem richtigen oder gar keinen Namen veröffentlicht. Anonyme Briefe richten bei Empfängern nicht selten Ärger und Unheil an; ebenso, wenn ein Stalker anonyme Telefongespräche führt; oder wenn einem Kronzeugen im Rahmen eines Strafprozesses eine andere Identität angeboten wird, wenn einem Flüchtling bei der Flucht die Personalpapiere verloren gehen, sie ihm von Schleppern abgenommen werden, oder er sie bewusst wegwirft, weil er sich dadurch bessere Chancen beim Aufnahme-, Anerkennungs- und Integrationsprozess als Asylbewerber verspricht. Immer geht es dabei darum, die eigene Persönlichkeit in Frage zu stellen, sie zu verlieren oder verweigert zu werden.

Die soziale Verantwortung: Soziale Arbeit

Die Erziehungswissenschaftlerin mit Schwerpunkt "Sozialpädagogik, Jugend und Soziale Ungleichheit" an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main, Helga Cremer-Schäfer, beging 2013 ihren 65. Geburtstag. Aus diesem Anlass haben Schülerinnen, Schüler, Kolleginnen und Kollegen eine Festschrift vorgelegt mit dem Ziel, „die verschiedenen Gegenstandsbereiche, Diskurse, Theorie- und Forschungskontexte einzufangen, die die wissenschaftliche Tätigkeit der Jubilarin aufzuzeigen. Es handelt sich um die folgenden Lehr- und Forschungsbereiche: Prozesse der Erzeugung von sozialer Ungleichheit/Differenz durch Institutionen sozialer Kontrolle und sozialer Ausschließung; Umgang in der Sozialen Arbeit mit Etikettierung, Verdinglichung und anderen Formen von disziplinierender Herrschaft (und Hilfe); Analysen der Formen des Wissens über gesellschaftliche Konflikte und Probleme, insbesondere die Rekonstruktion öffentlicher Diskurse über Devianz (Jugend und "soziale Probleme"; Gewalt, Kriminalität & Strafe, Armut, soziale Schwäche & Kontrolle; Studien zu individuellen und subkulturellen Handlungsstrategien in Situationen der Disziplinierung und Ausschließung; Nutzung und Bearbeitung wohlfahrtstaatlicher Dienstleistungen in Situationen sozialer Ausschließung ("welfare policy from below"); Aktualisierung des Handlungsmodells des Symbolischen Interaktionismus; Beiträge zur reflexiven Sozialwissenschaft. Die mit Schwerpunkt „Gesellschaftliche Ausschließung und Partizipation“ an der Hochschule in Ludwigshafen lehrende Gesellschaftswissenschaftlerin Ellen Bareis, der wissenschaftliche Mitarbeiter am Institut für Sozialpädagogik und Erwachsenenbildung der Goethe-Universität, Christian Kolbe, die Erziehungswissenschaftlerin am Frankfurter Institut für Pädagogik der Elementar- und Primarstufe, Marion Ott, die Professorin für allgemeine Pädagogik an der Evangelischen Hochschule in Darmstadt, Kerstin Rathgeb und der Frankfurter Erziehungswissenschaftler Christian Schütte-Bäumner, geben den Sammelband heraus. Der Begriff „soziale Ausschließung“ zielt auf Herrschafts- und Gesellschaftskritik und wird verstanden „als verweigerte( r ) Zugang zu gesellschaftlich erzeugten Ressourcen und einer zumindest erschwerten Teilnahme an Gesellschaft sowie die Betrachtung von sozialen Ausschließungen als ‚graduelle Prozesse‘“. Dabei werden die Begründungszusammenhänge, Arbeitsformen und Zielvorstellungen von „strafenden“ und „helfenden“ Institutionen in den Blick genommen. „Episoden“, wie sie im Titel des Buches bezeichnet werden, sollen deutlich machen, welche Formen und Anlässe sich in den „Alltagspraktiken der Leute“ vollziehen und wirksam werden, die Ausschließungen, Diskriminierungen und Benachteiligungen bewirken.: „Die Orientierung an Episoden unterschlägt … nicht den strukturellen Charakter von Macht und Herrschaft, sondern sie ermöglicht Differenzierungen, um Details der Macht- und Herrschaftsausübung zu analysieren“. Analytisch, systemtheoretisch und gesellschaftspolitisch verortet das Herausgeberteam die Beiträge an der Marxschen Diktion, „dass Menschen zwar ihre eigene Geschichte machen, aber nur unter den von ihnen vorgefundenen Umständen“, an der Erkenntnis von Theodor W. Adorno: „Es gibt kein richtiges Leben im falschen“, und an der ganz aktuellen Einschätzung: „Wenn das System falsch programmiert ist, stößt der gute Wille des Einzelnen an Grenzen“[v]. Mit der in den einzelnen Beiträgen deutlich werdenden Herrschaftskritik zeigt sich, dass es notwendig ist sich zum Beispiel in den Feldern der Sozialen Arbeit mit der institutionellen Verfasstheit von Wohlfahrtsstaatlichkeit mit einer Perspektive ‚von unten‘“; und zwar mit den Mitteln der Reflexivität und Kritik in Theorie und Praxis zu befassen[vi].

Differenzerfahrung irritiert die eigenen kulturellen Anschauungen

Der wissenschaftliche Diskurs über die interkulturelle Entwicklung und Interkulturalitätsphänomene wird mittlerweile eher selbstverständlich als interdisziplinäre, denn fachspezifische Herausforderung verstanden. Das hat zur Folge, dass der soziologische und sozialwissenschaftliche Begriff von „Fremdheit“ sich in verschiedenen Formen artikuliert: „Das Vertraute und das Fremde“ als Spannungsfeld, der „Umgang mit Heterogenität“ als Kommunikations- und Integrationsaufforderung, „Vielfalt der Lebensformen“ als Weltbild. Es sind der Umgang mit Differenzerfahrungen und der (geforderte) Schritt hin zum Fremdverstehen, der die interkulturelle Auseinandersetzung und Begegnung zum irritierenden Erlebnis werden lässt, bei dem „das vormals Selbstverständliche plötzlich mit neuen und anderen Perspektiven konfrontiert wird“. Es ist die Frage, wie der vielfach geforderte Perspektivenwechsel vollzogen werden kann, als Stabilisator und erweitertes Bild der individuellen und kulturellen Identität. Sylke Bartmann vom Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit der Hochschule in Emden/Leer und Oliver Immel vom Institut für Sozialwissenschaften und Philosophie der Universität Vechta greifen als Herausgeberteam die interdisziplinäre Diskussion um „Differenzerfahrung und Fremdverstehen“ auf, um „zur Erhellung des Übergangs von der Differenzerfahrung zum Fremdverstehen im Interkulturalitätsdiskurs“ beizutragen und damit einen Beitrag zur Interkulturalitäts- und Differenzforschung zu leisten. „In der Konfrontation mit einer Pluralität von Weltdeutungen scheint das Vertraute der eigenen Lebenswelt dem Fremden der Lebensformen und kulturellen Weltdeutungen in einer Weise gegenüberzustehen, die auf allen Ebenen des sozialen Lebens Differenzerfahrungen entstehen lässt“. Individuelle und gesellschaftliche Differenzerfahrung zeigt sich insbesondere im Umgang mit den Fremden, sich anders als im Selbstbild spiegelnden Darstellenden, als wertende Andersartigkeit[vii].

Aufrecht gehen

Der anthrôpos, der Mensch, ist, so lernen wir bereits seit der griechischen Antike, ist eine „durch seine Zweibeinigkeit charakterisierte Gattung der Lebewesen“. Durch seine Vernunft- und Sprachbegabung habe er Anteil am unvergänglichen und göttlichen Geist. Durch seine aufrechte Körperhaltung stehe er auf der obersten Stufe der scala naturae und nehme dadurch eine Mittelstellung zwischen Gott und Tier ein. Er sei fähig, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden, Allgemeinurteile zu bilden und sittlich zu handeln. Was ist der Mensch? Diese Frage wird philosophisch, anthropologisch, ethisch, moralisch, biologisch, psychologisch… über die Jahrtausende menschlichen (Nach-)Denkens hinweg immer wieder kongruent und konfrontativ diskutiert und analysiert, und in der neueren Zeit in verstärktem Maße auch neurologisch erforscht. Der aufrechte Gang, als physiologisches Phänomen, wird in der Evolutionstheorie als entscheidende Entwicklungsstufe des anthrôpos hin zum homo sapiens angesehen. Gleichzeitig mit der biologischen Bestimmung wird die physiologische Bedeutung dieser evolutionären Entwicklung hervorgehoben, was sich z. B. in zahlreichen Sprichwörtern und Deutungen zeigt: „Wer sichere Schritte tun will, muss sie langsam tun“ (Goethe); in Liedern Aufforderungscharakter hat: „Wann wir schreiten Seit´ an Seit´“ (programmatisches Lied der sozialdemokratischen Arbeiterjugend); in der Literatur und Kunst in vielfältiger Weise bearbeitet wird; zum Ausdruck kommt in Ehrungen, etwa wenn die Humanistische Union den Bürgerrechtspreis „Aufrechter Gang“ auslobt; oder sich Vereine und Bürgerinitiativen den Namen „Aufrechter Gang“ geben. Der an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster Praktische Philosophie lehrende Kurt Bayertz stellt fest, dass im Denken der Menschen zwar die Bedeutung des aufrechten Gangs in vielfachen Formen präsent ist; dass aber eine „Geschichte des aufrechten Gangs“ aus anthropologischer und philosophischer Sicht bisher nicht vorliegt. Dies will er mit seinem Buch ändern. Er will damit aufzeigen, welche verschiedenen Interpretationen die Tatsache des menschlichen aufrechten Gangs über die Jahrhunderte hinweg vorgenommen wurden, danach Ausschau halten, wie diese Deutungen in den jeweiligen historischen und kulturellen Zusammenhang gestellt wurden und dadurch die Hauptentwicklungslinien des anthropologischen Denkens aufzeigen[viii].

Zivilcourage ist eine demokratische Grundtugend

„Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren“, so steht es zuoberst in der von den Vereinten Nationen am 10. Dezember 1948 proklamierten Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, als globale Ethik und der Überzeugung, dass „die Anerkennung der allen Mitgliedern der menschlichen Familie innewohnenden Würde und ihrer gleichen und unveräußerlichen Rechte die Grundlage der Freiheit, der Gerechtigkeit und des Friedens in der Welt bildet“. Die Verwirklichung dieser allgemein ethischen Prämisse kann nicht allein durch eine tolerante Haltung – „Ich habe ja nichts dagegen, dass du anders bist als ich…“ – gelingen, sondern bedarf des aktiven Handelns, wenn das Recht auf Menschenwürde von anderen Menschen missachtet und einem anderen Menschen oder einer Menschengruppe abgesprochen wird, in Gedanken, Worten und Werken. Diese Haltung, für das Menschenrecht und die Menschenwürde eines anderen Menschen einzutreten, wird als Zivilcourage oder sozialer Mut bezeichnet. Das Eintreten für die eigene Freiheit und die der anderen Menschen, aktiv und konsequent, ist eine Voraussetzung für ein friedliches, gemeinsames Zusammenleben in unserer (Einen?) Welt. Denn „die Freiheit ist keine Torte, die genossen, sondern ein Muskel, der trainiert werden will“. Zivilcourage ist bedachter Mut, der nichts zu tun hat mit Waghalsigkeit und Tollkühnheit, sondern mit der Überzeugung, dass das Eintreten für Menschlichkeit und Friedfertigkeit gelernt, eingeübt und erfahren werden muss, im privaten, alltäglichen Leben genau so wie im gesellschaftlichen Miteinander [ix].

Der Andere könnte ich selbst sein

Mit dieser Aufforderung zum Perspektivenwechsel wird im pädagogischen, interkulturellen Diskurs die ethische und empathische Frage nach dem eigenen und dem Dasein der anderen Menschen gestellt. Das 2003 gegründete Sir Peter Ustinov-Institut zur Erforschung und Bekämpfung von Vorurteilen, mit Sitz in Frankfurt/M., veranstaltet alljährlich eine Fachtagung, in der Vorurteilsforscher über ihre Arbeit berichten und damit gewissermaßen den aktuellen, politischen und gesellschaftlichen Stand dokumentieren und öffentlich machen. Aus Anlass des zehnjährigen Bestehens des Instituts fand vom 13. – 14. Mai 2013 die Fachtagung „Ressentiment und Konflikt Vorurteile und Feindbilder im Wandel“ im Wappensaal des Wiener Rathauses statt. Der Historiker, em. Professor der TU Berlin, Antisemitismusforscher und Publizist, Wolfgang Benz, hat die Tagung wissenschaftlich vorbereitet und geleitet. „Welche Vorurteile und Feindbilder drücken unserer Zeit den Stempel auf?“ – diese Frage bestimmte die Vorträge und Diskussionen, und zwar mit Blick auf Deutschland, Europa und die Welt. Es lassen sich Parallelen zu den historischen Ressentiments, Vorurteilen und Rassismen gegen Minderheiten in den europäischen Gesellschaften ziehen; und die bekannten Parolen und Demagogien, wie „Furcht vor fremder Macht“, als „Ausgrenzungen bis hin zur Vernichtung des unwerten Lebens“ und als „Verteidigung von abendländischen Werten“, zeigen sich auch Hier und Heute alltäglich und virulent: „Der Trend zum Vorrang ökonomischen Nutzens und sozialen Erfolgs, der Ausgrenzung und Diskriminierung von Gruppen für selbstverständlich hält, vergiftet nicht nur das gesellschaftliche Klima, sondern bedroht die Demokratie“. Die interdiziplinären Analysen und Diskussionen über Tendenzen und Wirklichkeiten von Ausgrenzung, Diskriminierung, Ressentiments und Vorurteilsbildung vermitteln sowohl optimistische, als auch pessimistische Aussagen zum Zustand der deutschen und europäischen Gesellschaft(en). Da werden Situationen dargestellt, die als gefährlich für ein lokal und global humanes, friedliches und sozial gerechtes Zusammenleben der Menschen zu betrachten sind, wie auch Beispiele für ein gelingendes Dasein genannt. Sie zusammen weiten den Blick dafür, dass „Vorurteile und Feindbilder ( ) alle Aspekte des Zusammenlebens, die Ebenen der Politik wie das soziale Umfeld des Alltags, die ökonomische Situation, Arbeits- und Wohnungsmarkt, den privaten Umgang der Menschen, ihre Ängste und Erwartungen (bestimmen)“[x].

Gier macht einsam

Über die Gier, die Menschen antreibt, um ein materielles Immer-Mehr zu erlangen, wird vielfach spekuliert, vermutet, geklagt und argumentiert. Die katastrophalen und unverantwortlichen Auswirkungen auf individuelles, gesellschaftliches, lokales und globales Dasein der Menschen werden aufgezeigt und angeprangert. Argumente und Analysen werden seit Jahrzehnten vorgelegt. Intellektuell, moralisch, psychologisch, theoretisch und praktisch sind es die Fingerzeige und mahnenden Worte und Taten, die uns darauf aufmerksam machen, dass eine gerechtere (Eine?) Welt nicht nur möglich, sondern auch notwendig ist, damit die Menschheit sich human weiterentwickeln und existieren kann[xi]. Materialismus- und Kapitalismuskritik ist zwangsläufig System- und Konsumkritik; was bedeutet, dass der kritische Umgang mit den Ressourcen der Erde (eigentlich) Bestandteil der dem Menschen angeborenen Vernunftbegabung sein sollte. Dass dies in der Möglichkeitsform formuliert wird, heißt allerdings auch, dass das Wirken des menschlichen Verstandes nicht per se und auch nicht gottgegeben ist, sondern der Anstrengung und intellektuellen Anstrengung bedarf. Zwar ist die Erkenntnis, „das Mehr wird, wenn wir teilen“, mittlerweile sogar nobelpreiswürdig geworden (Elinor Ostrom) , doch die lokal- und globalgesellschaftliche Wirklichkeit hinkt erheblich hinter den Erkenntnissen hinterher. Der Heidelberger Philosoph und Befreiungstheologe Ulrich Duchrow appelliert mit seinem Buch „Gieriges Geld“ an die religiös gläubigen Menschen überall in der Welt. Er ist davon überzeugt, dass, wenn „auch nur eine wachsende Minderheit in den Glaubensgemeinschaften sich auf ihre Quellen zurückbesinnen und an der Seite der geschundenen Menschen und Erde handeln würde, sähe die Welt schon morgen anders aus“. Gier, als Denk- und Verhaltensweise, ist menschengemacht. Die Krisen, die die Menschheit bedrohen – von der Umwelt-, bis zur Finanzkrise – beruhen auf der „Sucht der Gier“, die durch eine neue Kultur einer „humanen Empathie“ (Jeremy Rifkin) überwunden werden muss. Die allzeit bereite Frage „Rechnet sich das für mich?“ muss umgewandelt werden in die Erkenntnis, dass es eines klaren, mitfühlenden Sehens und Verstehens bedarf, dass ein klares Urteilen über Alternativen angesagt und ein klares Handeln notwendig ist, um einen Perspektivenwechsel zustande zu bringen. Mit diesen Grundkategorien eines christlichen, befreiungstheologischen Bewusstseins – Sehen, Urteilen, Handeln – argumentiert der Autor, dass „die Umsetzung dieser Erkenntnisse (zwar) nicht das Paradies auf Erden bringen, aber vielleicht die Hölle, in der ein Viertel der Weltbevölkerung leben muss und die dabei ist, den Erdball zu verschlingen, zurückdrängen (würde)“. Welche Triebfedern und Einflüsse gehen dabei von den Gottes- und Menschenbildern aus, wie sie sich im religiösen Verständnis entwickelt haben? Es ist ein großes „Dennoch“, das die Befreiungstheologien in der Welt bewegt. Eine gerechtere, friedlichere, soziale und humane Eine Welt ist möglich! Welchen Beitrag dabei befreiungstheologisches Denken und Handeln leisten kann, wird von Ulrich Duchrow klug und umfassend dargestellt. „Leiden ist der laute Schrei der Milliarden hungernder und sterbender Menschen im globalen Süden sowie der stumme Schrei der Erde“ – mit dieser drastischen Kennzeichnung der Situation, wie sie sich zur Lage der Welt Hier und Heute zeigt, unternimmt der Autor den verdienstvollen und optimistischen Versuch, auf die Möglichkeiten und Grenzen im theologischen Diskurs aufmerksam zu machen[xii].

Objektivität

„Der Mensch erkennt objektiv, insofern die Erkenntnis für die gesamte in einem einheitlichen kulturellen System geschichtlich vereinte menschliche Gattung wirklich ist“. Diese Auffassung stammt vom italienischen, politischen Theoretiker und Begründer der Kommunistischen Partei Italiens, Antonio Gramsci, die er während seiner Haftjahre durch die Faschisten in den so genannten „Gefängnisheften“ aufschrieb. Der kritisch denkende Mensch, der sich seiner selbst bewusst wird, ist gefordert, wenn es darum geht, Menschsein als Humanum zu begreifen. Das Herausgeberteam des Sammelbandes „Diskurs und Hegemonie“ lassen in einem fiktiven Dialog Antonio Gransci, Ernesto Laclau, Jacques Derrida und Judith Butler über den Zustand der Welt diskutieren: Es geht um die Frage, wie im Alltag und im lokal- und globalgesellschaftlichen Umgang der Menschen miteinander diskursanalytisches Denken und Handeln gegenüber hegemonieorientierter Praxis ins Feld geführt und wie „Gesellschaftskritik aussehen kann, die den aktuellen komplexen und sich überlagernden gesellschaftlichen (Macht-)Verhältnissen gerecht“ wird. Die wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Humangeographie der Universität in Frankfurt/M., Iris Dzudzek, die Wissenschafts- und Migrationsforscherin von der Universität Kassel, Caren Kunze und der Kasselaner Politikwissenschaftler Joscha Wullweber, die im interdisziplinären Netzwerk „Diskurs- und Hegemonietheorien“ zusammenarbeiten und ihre Forschungsfragen, -ergebnisse und -erfahrungen in halbjährlich terminierten Workshops austauschen, geben den Sammelband heraus. In dem interdisziplinären Projekt kommen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus sozial- und gesellschaftswissenschaftlichen Fächern zu Wort. Da der Mensch als Individuum wie als gesellschaftlich agierendes Lebewesen immer dem Wandel unterliegt, ist es besonders bedeutsam, die jeweiligen, lokalen und globalen Veränderungsprozesse daraufhin zu untersuchen, wie sie sich als gerecht und sozial oder ungerecht und unsozial darstellen, was bedeutet, die Metaphern „Fortschritt“, „Emanzipation“… „nicht im Singular, sondern stets im Plural zu denken“ (Ernesto Laclau). Es sind vor allem die „unscharfen Grenzen“, die „Entgrenzungen“ und sich lokal und global entwickelnden Veränderungen auf allen Gebieten des menschlichen Lebens, die Rufe nach „neuen Ufern“ hörbar machen. Die bezeichnenden und bemerkenswerten Perspektivenwechsel zeigen sich vor allem darin, dass Wissenschaft aus dem „Elfenbeinturm“ heraus tritt und sich interdisziplinär entwickelt. Es sind dabei nicht zuletzt die medialen Möglichkeiten, die zu fächerübergreifenden Arbeitskreisen und Netzwerken führen, wie etwa das Netzwerk „Diskurs- und Hegemonietheorien“, in dem sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der Humangeographie, der Soziologie, der politischen Philosophie, den Gender Studies und der Internationalen Politischen Ökonomie zusammen gefunden haben. Ihr Interesse gilt dabei insbesondere den Phänomenen, die bei sich verändernden Gesellschaften auftretenden Antagonismen zu ergründen „und immer wieder nach dem ‚Anderen‘, dem Ausgeschlossenen und dem Marginalisierten, zu fragen“[xiii].

Anonyme Macht

„Hannibal ante portas“, so formulierten unsere Altvordern eine Situation, in der sie darauf hinweisen wollten, dass ein Ereignis bevorsteht, vor dem es zu warnen gilt. Dabei ist immer von einer Person oder einem Zusammenschluss die Rede, die Macht und Herrschaft beanspruchen, nicht immer zum Vorteil der Gemeinschaft, sondern als Eigennutz und vorwiegend mit ideologischer Begründung. Dieser Herrschaftsanspruch war also direkt zu benennen und auch zu identifizieren. Karl Marx hat in seiner Ökonomie- und Gesellschaftskritik darauf hingewiesen, dass „der Verwertungsprozess des Werts ( ) einen Typus von anonymer Herrschaft hervor(bringt), deren Kennzeichen nicht in der Unterordnung des Willens einer Person unter den einer anderen besteht“, sondern der Kapitalismus als Gesellschaftsformation „eine Unterordnung der Willen und Zwecke aller Akteure unter den Akkumulationsimperativ …, der ‚Produktion um der Produktion willen‘ bedinge“. Der Wandlungsprozess in der bürgerlichen Gesellschaft vom rechtsphilosophischen hin zum politökonomischen Denken, den Marx und auch die Moderne aufgreifen, ist ja bestimmt von der „Abspaltung der Kategorie des Staatsinteresses von der Herrscherwillkür und metaphysischen Normkonstrukten“ und führt zur „Entstehung eines ‚transpersonalen Bezugspunkt[es] des Staates‘“ (Herfried Münkler). Der wissenschaftliche Mitarbeiter am Institut für Philosophie der Carl von Ossietzky-Universität in Oldenburg, Ingo Elbe, der Mentor für Praktische Philosophie an der FernUniversität in Hagen, Sven Ellmers und das Vorstandsmitglied des Instituts für Sozialtheorie e.V. an der Universität Bochum, Jan Eufinger, geben den Sammelband „Anonyme Herrschaft“ mit dem Ziel heraus, Konzepte moderner Herrschaftsordnungen zu diskutieren und die Folgen dieser (un)gewollten Herrschafts- und Ordnungsformen zu verdeutlichen[xiv].

Positiv oder negativ bedeutsames Vergangenes, Historisches oder Identitätsstiftendes im kollektiven Gedächtnis aufbewahren

In der philosophischen Betrachtung ist anamnêsis, Erinnerung, die „Wiedergewinnung“ des früher im Gedächtnis Gespeicherten oder von etwas, was schon einmal gewusst war. Dabei wird betont, dass wahres Erinnern nicht nur ein zufällig stattfindender Akt ist, sondern ein aktives, willentliches Sicherinnern im Jetzt-Bewusstsein erfordert, also eine intellektuelle Fähigkeit des Denkens ist. Das betrifft sowohl die individuelle Erinnerung, wie auch das kollektive Gedächtnis einer Gemeinschaft, eines Volkes oder der Menschheit.

Am wissenschaftlichen Erinnerungsdiskurs beteiligen sich verschiedene akademische Fächer, wie z. B.: Kulturwissenschaften, Pädagogik, Geographie Geschichte, Literatur, Philosophie, Psychologie, Psychotherapie, Rechtswissenschaft, u. a. Als „Erinnerungskultur“ wird dabei das Phänomen bezeichnet, das eine Gemeinschaft von Menschen veranlasst, , im Geschichtsbuch eines Volkes aufzuschreiben und/oder in Denkmalen und Erinnerungsorten sichtbar zu machen. Die moderne kulturwissenschaftliche Gedächtnisforschung beruft sich insbesondere auf den französischen Soziologen und Philosophen Maurice Halbwachs, der von den Nationalsozialisten 1945 im KZ Buchenwald umgebracht wurde. An der Justus-Liebig-Universität in Gießen gibt es seit mehreren Jahren eine interdisziplinäre Forschungsgruppe, die sich mit den Fragen von „Gedächtnis und Erinnerung“ und insbesondere den Aspekten der Erinnerungskulturen befasst. Die Professorin für Anglophone Literaturen und Kulturen an der Goethe-Universität in Frankfurt/M., Astrid Erll, hat 2004 ein Handbuch mit dem Ziel vorgelegt, einen Überblick über die Geschichte der kulturwissenschaftlichen Gedächtnisforschung zu geben, die wesentlichen, wissenschaftlichen Konzepte der beteiligten Disziplinen darzustellen, ein integratives Modell für die interdisziplinäre, wissenschaftliche Arbeit zu entwerfen und die Medialität und Narrativität des kollektiven Gedächtnisses zu diskutieren. Im August 2011 legt nun die Autorin die zweite Auflage vor, indem sie auf die steigende Bedeutung der wissenschaftlichen Auseinandersetzung um die kulturwissenschaftliche Gedächtnisforschung reagiert; und zwar mit zwei wesentlich erweiterten Aspekten: Auf dem Feld der Medienkulturwissenschaft und den Auseinandersetzungen um nationen- und kulturübergreifendes Erinnern. Die Einführung in die „transdisziplinäre( ) und transnationale ( ) Dimension des Phänomens ‚Gedächtnis‘“, als narratologischer und erinnerungshistorischer Zugang zu einer Erweiterung des aktuellen Erinnerungsdiskurses, stellt zweifellos einen wichtigen Baustein für eine kollektive Gedächtnis- und Erinnerungsforschung dar.[xv]

Gelingen oder scheitern?

Die uralte, immer wieder interessante und notwendige neue Frage nach dem individuellen und gesellschaftlichen Menschsein lässt sich immer nur beantworten, wenn es gelingt, das Sosein des Menschen und seine Frage nach dem „Wer bin ich?“ einzubetten in die jeweilige Wirklichkeit seines Lebens. Es gibt Analysen, die davon ausgehen, dass insbesondere in der sich immer interdependenter, entgrenzender und globaler entwickelnden (Einen?) Welt die Frage nach dem Sinn des Lebens dringlicher wird denn je. Denn es sind die gesellschaftlich gemachten, den jeweiligen Strukturen unterliegenden Bedingungen und Voraussetzungen, die das Leben der Menschen zu einer Funktion der Gesellschaft machen, oder die Formen von Selbstbestimmung und Freiheit ermöglichen. Das sind Fragen, die sich in erster Linie an Psychologen, Psychoanalytiker, Soziologen, Philosophen und Gesellschaftswissenschaftler richten. Von ihren Antworten kann es abhängen, wie Individuen in gesellschaftlichen Zusammenhängen leben und ihr Leben betrachten können. Der Tübinger Psychoanalytiker Rainer Funk gilt als Experte für die Psychoanalyse, wie sie von Erich Fromm entwickelt und praktiziert wurde. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter Fromms versteht er sich nicht nur als „Nachlassverwalter“ und Herausgeber der Erich Fromm-Gesamtausgabe (12 Bände, 1999); er ist auch überzeugt, dass, wie er in seinem Buch „Der entgrenzte Mensch“ erklärt, dass „ein Leben ohne Grenzen nicht frei, sondern abhängig macht“. Die verführerischen Erwartungshaltungen, die ein „entgrenzter Mensch“ erlebt und als Selbstbestimmung und Freiheit erhofft, unterliegen einer Reihe von Fallstricken und Illusionen, die es aufzudecken gilt, etwa im Bereich der (scheinbaren) digitalen Unabhängigkeit, in der Wirtschaft und Arbeitswelt, wie auch im alltäglichen, individuellen Leben. Mit der Aufforderung „Use it or loose it“ verweist der Autor darauf, dass Entgrenzungskompetenzen weder in die Wiege gelegt werden, noch einem zu-fallen; vielmehr komme es darauf an, das „menschliche Vermögen“ zu entdecken und es nicht mit dem „gemachten Vermögen“ zu verwechseln. “Wirklich wertschätzen und lieben kann man sich und andere nur, wenn man die Schattenseiten, das Schwierige und Kritische bei sich und bei anderen nicht ausblendet, sondern auch zu akzeptieren, wertzuschätzen… imstande ist“[xvi].

„Die Gewalt ist proteisch“,

also unzuverlässig und wandelbar in den Erscheinungsformen; so jedenfalls sieht es der Philosoph und Medientheoretiker der Karlsruher Staatlichen Hochschule für Gestaltung, Byung-Chul Han. Er weist darauf hin, dass sich die Erscheinungsformen der Gewalt verändern, „vom Sichtbaren ins Unsichtbare, vom Frontalen ins Virale, vom Brachialen ins Mediale, vom Realen ins Virtuelle, vom Physischen ins Psychische, vom Negativen ins Positive…“. Dabei sieht er das Problem, dass „die martialische Gewalt ( ) derzeit einer anonymisierten, entsubjektivierten, systemischen Gewalt (weicht), die sich als solche verbirgt, weil sie mit der Gesellschaft in eins fällt“. Von der aristotelischen Bestimmung, dass das Gewaltsame widernatürlich sei, bis zu Thomas Hobbes‘ homo homini lupus ziehen sich die Reflexionen über die individuelle und kollektive, institutionalisierte Gewalt. Der Umgang mit der Unsicherheit in der Moderne hat das Schlagwort von der „Risikogesellschaft“ (Ulrich Beck) geprägt und in den Zeiten der sich immer interdependenter und entgrenzender entwickelnden Welt die Ausweitung hin zur „Weltrisikogesellschaft“ erfahren. Die Menschheit lebt in einer „Weltgefahrengemeinschaft“, und die Menschen sind verunsichernden und gewaltsamen Einflüssen und Risiken ausgesetzt, ja sogar ausgeliefert. Oder ist es so, dass die größte Gefahr oftmals nicht das Risiko selbst ist, sondern vielmehr seine Antizipation und Wahrnehmung, in deren Folge die Gefahrenphantasien und ihre Gegenmittel freigesetzt werden, die die moderne Gesellschaft ihrer bisherigen Handlungsfähigkeit berauben könnten“? [xvii]. In der „Erklärung von Sevilla“, die anlässlich des Internationalen Jahres des Friedens (1986) von 20 internationalen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern verfasst und von der UNESCO als Bestandteil ihrer Friedensbemühungen in der Welt übernommen wurde, heißt es u.a.: „Gewalt ist kein Naturgesetz … Biologisch gesehen ist die Menschheit nicht zum Krieg verdammt…“[xviii]. Die Analyse von Byung-Chul Han über Gewalt, wie sie sich heute darstellt, sichtbar und unsichtbar, ist mehr als eine intellektuelle Fleißarbeit, mehr auch als eine Auseinandersetzung mit den diskursiven, historischen und aktuellen Theorien und Konzepten zur Macht- und Gewaltthematik; es ist ein intelligenter und bemerkenswerter Versuch einer Gesellschaftsanalyse, angesichts der Infragestellung von bisher national und kulturell gültigen Wertevorstellungen in einer globalisierten (Einen?) Welt. Es ist ein Aufruf, gegen die lokal und global deutlichen Zerfallsprozesse des Sozialen, des Gemeinsamen und des Gemeinschaftlichen zu opponieren, um den scheinbar unaufhörlichen und unauflösbaren Prozess der Ermächtigung von egoistischen, antidemokratischen und konsumtiven Gewalttätigkeiten zu befreien und dem menschlichen Leben das zu geben, was es als Humanum ausmacht, nämlich das bloße Leben als heilig zu betrachten[xix].

Bildung ist alles

Über die Frage, was Bildung ist, wie sie wirkt, anerkannt, identitätsstiftend und -bildend, förderlich oder zerstörerisch wird, gibt es im anthropologischen Diskurs seit Menschengedenken übereinstimmende wie kontroverse Auseinandersetzungen. In der aristotelischen paideia verbinden sich Bildung und Erziehung als Voraussetzung dafür, dass das Individuum als Gemeinschaftswesen in der jeweiligen Gesellschaft menschenwürdig existieren kann. Bereits in der antiken Diskussion wird danach gefragt, ob es für ein in der Gesellschaft anerkanntes und praktiziertes Bildungs- und Erziehungsverständnis Regelungen bedarf, ob Bildungsziele und -realisierungen vom Staat vorgegeben oder dem Einzelnen überlassen werden sollten, und schließlich, welche Art von Bildung es sein solle. Die zahlreichen Zuschreibungen und Funktionsbestimmungen, die sich auf den Bildungsbegriff beziehen – allgemeine, individuelle, religiöse, politische, existentielle, ökonomische, technische, nachhaltige Bildung, Bildung für alle, Vertrauensbildung… – wollen ja darauf hinweisen, dass der pepaideumenos, der Gebildete, der gleichzeitig ein zôon politikon, ein politisch denkendes und handelndes Lebewesen ist, in der Lage und fähig sein kann, zu einer souveränen Urteilskompetenz zu gelangen und ein „gutes Leben“ in Gemeinschaft mit den Mitmenschen anzustreben. In den bildungspolitischen, -soziologischen und -philosophischen Theoriebildungen und Forschungen wird insbesondere die Frage danach gestellt, welche gesellschaftliche Bedeutung Bildung als Entwicklungsprozesse haben und wie sich die jeweiligen, fachbezogenen Fragestellungen innerhalb der jeweiligen Disziplin und darüber hinaus interdisziplinär verorten lassen. Eva-Maria Klinkisch spürt in ihrer Dissertation diesen Aspekten aus bildungssoziologischer Sicht nach. Sie stellt fest, dass die Bildungssoziologie mit Grenzziehungsproblemen zu kämpfen habe, sich mit Definitions- und (Zu-)Ordnungsproblemen zwischen Bildung und Erziehung auseinandersetze, und die Auswirkungen von gesellschaftlichen Institutionen auf individuelle und gesellschaftliche Bildungsprozesse (empirisch) berücksichtigen müsse. Die immerwährende, von Alt und Jung in allen Zeiten und Lebenslagen gestellte Frage: „Bin ich echt?“, nach der Authentizität also, verursacht ja Gewissheiten und Unruhe[xx]. Diese intellektuellen und existentiellen Herausforderungen bedürfen der Auseinandersetzung mit dem Spannungsverhältnis und der kritischen Positionsbestimmung in zwei Zugangs- und Bewusstseinsformen wissenschaftlichen Tuns: Zum einen ist es das Anerkennungsparadigma, wie es sich in verschiedenen gesellschaftswissenschaftlichen (soziologischen) Theorien darstellt und von der Autorin mit der „Anerkennungstheorie“ nach Axel Honneth als Ausgangspunkt für ihre Analyse grundgelegt wird; zum anderen sich in dem Begriff „Halbbildung“ im Adornoschen und Horkheimerschen Sinn artikuliert: „Die Modellierung von Bildungsprozessen zwischen Halbbildung und Anerkennung lässt einen deutlich erweiterten Blick auf Bildung, ihre Voraussetzungen und ihre gesellschaftliche Praxis zu“[xxi].

Visionen sind reale Utopien

Im wissenschaftlichen Diskurs hat utopisches Denken ein Geschmäckle! Im alltäglichen, gesellschaftlichen Denken wird die Frage – „Brauchen wir Utopien?“ – in unterschiedlicher Weise gestellt! Zum einen wird ein „Utopist“ meist als weltfremder, dem wirklichen Leben und seinen Anforderungen eher nicht gewachsener Mensch betrachtet, der die Realitäten nicht sehen will und sich in unrealistische Utopien und „Hirngespinste“ flüchtet; zum anderen wird utopisches Denken mit Phantasie, Kritikfähigkeit und dem Willen verglichen, vorhandene Zustände und scheinbar unumstößliche Wirklichkeiten durch alternatives Denken verändern zu wollen. Die Auffassung, dass ur die Menschen, die das Unsichtbare sehen, können das Unmögliche auch tun könnten (Bernard Lown) zeigt die Möglichkeiten auf, welche Bedeutung visionäres Denken und Handeln im individuellen Leben und im Zusammenleben der Menschen haben kann. Die 1947 gegründete Interdisziplinäre Studiengesellschaft (ISG) stellt Themen zur Diskussion, die für eine humane gesellschaftliche Entwicklung hilfreich sind. Im Sammelband wird die Frage „Wie wollen wir leben?“ als gegenwärtige und zukünftige Herausforderung thematisiert. Der Vorsitzende der ISG, der Soziologe Dieter Korczak, gibt den Tagungs- und Sammelband heraus. Die im Untertitel formulierte Frage: „Wie wollen wir leben?“ signalisiert bereits die kritische Position der Beiträge. Es gilt, die einlullenden, eher populistisch formulierten, offiziell verkündeten, alternativlosen „Visionen“ für eine gute, gesellschaftliche Entwicklung, als „Illusionen“ zu entlarven: „Es gibt immer eine Alternative, zumeist sogar mehrere“. Bei der Frage, welche Illusionen und Utopien uns Menschen um- und antreiben, kommt es darauf an, beschönigendes, von Selbsttäuschungen bestimmtes Wunschdenken abzusetzen von gesellschaftlichen, nachhaltigen Visionen, die und nur die den notwendigen Perspektivenwechsel für eine humane Gegenwarts- und Zukunftsbewältigung der Menschheit ermöglichen können. Es sind phantasievolle Ideen und Projekte, die als Visionen zur gerechten und sozialen Umverteilung des individuellen und gesellschaftlichen Reichtums, zur De-Gentrifizierung der Städte, zur Inter- und Intragenerationengerechtigkeit, zur Regulierung der Finanzmärkte, und nicht zuletzt zur Erhaltung und Weiterentwicklung der Demokratie, lokal und global, vorgestellt und diskutiert werden[xxii].

Ordnung ist das halbe Leben

Wie und von wem die Welt geordnet ist, darüber gibt es seit Jahrtausenden Aussagen, Visionen und Ge- und Verbotsdiktate. Während die einen zu wissen glauben, wer oder was die Welt zusammenhält, sind sich andere nicht sicher, wer eigentlich die Welt regiert; und dritte schauen darauf, wie Macht ausgeübt wird und so eine gewollte, institutionalisierte Ordnung entsteht. Es sind Fragen, die an die Urgründe menschlichen, individuellen und kollektiven Daseins gehen und von der anthropologischen Feststellung, dass der Mensch ein zôon politikon, ein politisches Lebewesen ist, das aufgrund seiner Vernunftbegabtheit und seiner Fähigkeit Gutes vom Bösen, Richtiges vom Falschen unterscheiden zu können, nach einem guten, gelingenden und glücklichen Leben strebt (Aristoteles), bis hin zu psychopathologischen und fatalistischen Annahmen reichen, dass die Welt nichts anderes als ein Bluff ist (Manfred Lütz). Wir sind bei der großen Herausforderung an die Menschheit, sich gemeinsam eine allgemeingültige, nicht relativierbare Ordnung, also eine „globale Ethik“ zu geben. Der Politikwissenschaftler und Lehrstuhlinhaber für Internationale Beziehungen und Vergleichende Regierungslehre an der TU in Braunschweig, Ulrich Menzel, legt ein umfangreiches und anspruchsvolles Buch vor, mit dem er nicht mehr und nicht weniger als „die Welt erklären“ will. „Es soll darin gezeigt werden, was die Welt im Innersten zusammenhält, wer für Ordnung sorgt in der Anarchie der Staatenwelt, in der es keine übergeordnete Instanz, keinen Weltstaat gibt, der mit einem internationalen Gewaltmonopol ausgestattet ist“. Er formuliert bereits zu Beginn: „Die Ordnung in der Anarchie der Staatenwelt resultiert aus der Hierarchie der Staatenwelt“ und begründet damit den Untertitel seines Buches. Mit seiner „Meistererzählung“ ermuntert Ulrich Menzel darüber nachzudenken, wie wir geworden sind, was und wie wir sind, als Individuen, Deutsche, Europäer und Planetarier, lokal und global[xxiii].

Tradition und Traditionalismus

Weil Traditionen sich in vielfältigen Formen zeigen und kontextuell auftreten, sind die wissenschaftlichen Zugänge zu der Frage was Traditionen sind und sich als Traditionalismen verdeutlichen, interdisziplinär zu betrachten, wobei die anthropologischen und ethnologischen Aspekte gewissermaßen Leitfunktionen haben können. Die Selbst- (und durchaus auch die Fremd-)identifikationen bei der Beschreibung und Zuordnung zu einer Tradition, etwa einer Volksgruppe oder Nation, hat sowohl identitätsstiftende, als auch ab- und ausgrenzende Bedeutung: „Ethnische Identität (ist) immer das Produkt externer und interner Definition“. Die alltäglichen wie die lokal- und globalgesellschaftlichen Erfahrungen zeigen, dass die Handhabungen und Auseinandersetzungen über traditionelles Denken und Handeln ganz unterschiedlich verstanden werden. Es bedarf deshalb einer interdisziplinären Analyse, um die Wertigkeiten und Unterschiede herauszuarbeiten. Der Kultur- und Sozialanthropologe der Universität Wien und Präsident der Anthropologischen Gesellschaft Wien, Hermann Mückler und der Direktor des Paulo-Freire-Zentrums für transdisziplinäre Entwicklungsforschung und dialogische Bildung in Wien, Gerald Faschingeder, geben einen Sammelband heraus, in dem Fragen nach der Rolle und Bedeutung von Traditionen gestellt und die Unterschiede herausgestellt werden. Die Verschiedenheiten von Tradition und Traditionalismus zeigen sich in Realitäten und Realitätsverkennungen. Traditionelles Denken und Handeln kann sich sowohl in Fehldeutungen und -einschätzungen, als Einbildung, Immagination, Erdichtung, Fiktion, Trugbild oder Wunschtraum darstellen, als auch als stabile Werthaltung und Weitergabe von Handlungsmustern, Überzeugungen, Glaubensvorstellungen zeigen. In der sich radikal wandelnden, scheinbare Gewissheiten produzierenden und Ungewissheiten schaffenden (Einen?) Welt sind Menschen auf Traditionen angewiesen, wie sie auch in die Falle von Gewohnheiten und „Wahrheiten“ tappen können. Anthropologisch sind Traditionen (Identitäts- und Macht-)Funktionen, um Legitimität zu erzeugen und Werte- und Verhaltensnormen einzuüben. Falschen Traditionen aufzusitzen kann individuelle, kulturelle und gesellschaftliche Identitäten fehlleiten oder gar zerstören[xxiv].

Tugendlehre

Es ist eine Diskrepanz zwischen den anthropologischen und philosophischen Wert- und Moralvorgaben und der lokalen und globalen, alltäglichen Praxis des Umgangs der Menschen miteinander festzustellen. Angesichts der materiellen und konsumtiven „Ich-will-alles-und-das-sofort“ – Einstellungen werden ontologische Fragen nach dem Sinn des Lebens, dem „Wer bin ich?“ vernachlässigt. Werte und Tugenden wie Vertrauen, Achtsamkeit, Aufmerksamkeit, Empathie, Gelassenheit... scheinen eher auf der philosophischen und intellektuellen Bühne thematisiert, als Tugendvorstellungen für ein humanes Leben bedacht und behandelt zu werden. Achtsamkeit als Tugend ist die Fähigkeit, „bewusst hinzusehen oder hinzuhören, anstatt andere zu übersehen oder einfach wegzuhören“. Es ist die Erfahrung mit sich selbst, mit anderen Menschen und mit der Welt, also ein Instrument zur Selbst- und Welterfahrung. Aufmerksamkeit gründet auf aktive und passive Denk- und Verhaltensweisen, sie bildet sich sowohl im menschlichen Bewusstsein, als auch im Unbewusstem, und sie äußert sich im individuellen und kollektiven Denken und Tun. An der Universität Würzburg gibt es an der Fakultät für Humanwissenschaften das Human Dynamics Centre (HDC). Ziel der Lehr- und Forschungseinrichtung ist, „Grundlagen, Erscheinungsformen und Möglichkeiten der Gestaltung menschlichen Wandels in einem interdisziplinären Rahmen zu erforschen“. Im Juni 2015 fand eine wissenschaftliche Tagung statt, die den Fragen nach der humanwissenschaftlichen Bedeutung des Phänomens „Aufmerksamkeit“ nachgegangen ist. Die Ergebnisse werden in dem Sammelband vorgelegt, der von den Würzburger Wissenschaftlern, dem Philosophen Jörn Müller, dem Pädagogen Andreas Nießeler und dem Psychologen Andreas Rauh vorgelegt wird. In den phänomenologischen und philosophischen Betrachtungen des Phänomens „Aufmerksamkeit“ werden sowohl historische als auch aktuell anthropologische und soziologische Aspekte deutlich. „Gerade in der heutigen postmodernen ‚Sensationsgesellschaft‘ scheint zumindest konzentrierte Aufmerksamkeit immer weiter untergraben und in die Vielfalt ständiger wechselnder neuer Reize diffundiert zu werden“. Aufmerksamkeitsstörungen in den verschiedenen, generationsübergreifenden Situationen führen sowohl zu individuellen Defiziten und behindernden Lebensbewältigungsstrategien, als auch zu gefährlichen, lokalen und globalen gesellschaftspolitischen Entwicklungen. Die intentionale, faktische und gestörte Bedeutung von Aufmerksamkeit ist Grundlage jedes gelingenden und misslingenden, individuellen und kollektiven, lebensweltlichen Zusammenlebens der Menschen. Die sich in den humanwissenschaftlichen Diskursen herausgebildeten Theorien und Handlungsanweisungen verdeutlichen die anthropologische Dimension des Phänomens. Weil „Aufmerksamkeit ( ) nicht nur eine auf Selektion beruhende Orientierung (ermöglicht), sondern ( ) auch ein Indikator für unser motivationales Interesse an bestimmten Gehalten (ist)“, kommt es darauf an, psychologische, philosophische, pädagogische … Aufmerksamkeit darauf zu richten, was Aufmerksamkeit ist, was sie sein kann und phänomenal ausmacht[xxv].

Toleranz und Respekt

„Erkenne dich selbst, damit du aus dir heraustreten kannst; diene der Gerechtigkeit und fördere den Frieden“, diesen Imperativ nimmt die US-amerikanische Philosophin Martha Nussbaum als ihre Lebensauffassung. Sie ist überzeugt, dass Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein Bollwerke gegen Angst und Menschenfeindlichkeit sind.

Angst sei ein „narzisstisches Gefühl“, so erläutert die Autorin die Situation, dass emotionale Ängste vielfach herhalten müssen, um Interessen und Ideologien zu verteidigen. Es bedarf Grundprinzipien, die als individuelle und kollektive Tugenden bewirken, dass der Mensch ein „gutes Leben“ zu führen in der Lage ist. Es ist die Anerkennung und Achtung der Menschenwürde, die unter keinen Umständen missachtet oder außer Kraft gesetzt werden darf; es sind Gleichheit, Gerechtigkeit und Freiheit, die jedem Menschen zustehen; und es ist die aktive Toleranz, die es jedem Menschen gebietet, in sich selbst die ganze Menschheit zu sehen. Die Frage, wie Entscheidungen entstehen, die zu positiven und negativen Einstellungen und Verhaltensweisen führen, diskutiert die Autorin im Zusammenhang mit der Forderung nach „Unparteilichkeit und das selbsterforschte Leben“. Es sind Phänomene, die sich als konsequentes Denken und Handeln darstellen, und durch Inkonsequenz zur Selbst- und Fremd-Isolierung führen. Am Beispiel des Burka-Verbots betrachtet Martha Nussbaum die verschiedenen Argumentationen und Antriebe, wie etwa die Behauptung, dass es das Gebot der Sicherheit erfordere, „dass Menschen ihr Gesicht zeigen, wenn sie in der Öffentlichkeit auftreten“. Aber die Forderung „Gesicht zu zeigen“, wird in diesem Fall ideologisch begründet. Dahinter stecken Angst und Unkenntnis von kulturellen und religiösen Praktiken. Mit dem Bild des „inneren Auges“ bringt die Autorin weitere Aspekte in den Diskurs: Respekt und mitfühlende Phantasie. Angelehnt an die sokratische Aufforderung, dass Menschen, wollen sie friedlich und gerecht miteinander in der EINEN WELT leben, ein „selbsterforschtes Leben“ führen sollten. Wie dies aussehen könne, darüber reflektiert Martha Nussbaum über Sokrates hinaus – und hinein in unsere reale Welt. Sie kann human nur entwickelt werden, wenn es Allgemeingut und Selbstverständlichkeit wird, dass alle Menschen frei und gleich an Würde und Rechten geboren, mit Vernunft und Gewissen begabt und fähig sind, einander im Geiste der Brüderlichkeit zu begegnen, wie dies in Artikel 1 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte zum Ausdruck kommt und in Artikel 18 spezifiziert wird: „Jedermann hat das Recht auf Gedanken- Gewissens- und Religionsfreiheit“. Um das zu erreichen braucht es Zuversicht und die Abkehr von Angst: „Wir brauchen ( ) den Geist der Neugier und der Freundschaft“[xxvi].

Macht macht Macht

Macht, im persönlichen wie im lokal- und globalgesellschaftlichen Zusammenhängen wird im allgemeinen beschrieben als die Herrschaft von Menschen über Menschen und Sachen. Legitime Macht steht im Gegensatz zum illegitimen Machtmissbrauch. In der anthropologischen, aristotelischen Deutung wird Macht, dynamis, als das Vermögen oder die Möglichkeit bezeichnet, etwas, was der Mensch besitzt oder wozu er fähig ist, zu verändern, auszuüben oder zu bewerkstelligen. Ein Mächtigsein ist somit „ein Wirklichsein, das von der Möglichkeit her zu verstehen ist“. Jeder Mensch übt in irgend einer Form Herrschaft aus, die von der Herrschaft und Beherrschtheit über sich selbst bis zur Herrschaft über andere Dinge und Menschen reicht. Als zôon politikon, als politisches Lebewesen, das von Natur aus mit Vernunft und dem Willen ausgestattet ist, in Gemeinschaft mit anderen Menschen zu leben und ein gutes Leben anzustreben, ist der Mensch Macht- und Moralwesen zugleich und es bedarf der Fähigkeit und Bereitschaft, Macht und Herrschaft im Sinne einer „Lebenskunst“ zu zähmen und allgemeinverträglich zu gestalten (Otfried Höffe, Aristoteles-Lexikon, Stuttgart 2005, S. 139ff; siehe auch: Martin Gessmann, Philosophisches Wörterbuch, Stuttgart 2009, S. 457). Im politischen und gesellschaftlichen Leben der Menschen bedarf es einer Ethik, die den Missbrauch von Macht verhindert. Da kann der Kantische Imperativ, der im Volksmund übersetzt wird mit – „Was du nicht willst, das man dir tu, das füg‘ auch keinem andern zu!“ – als Anhaltspunkt dienen, oder die in der Präambel der von den Vereinten Nationen am 10. Dezember 1948 proklamierten Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte formulierte Grundlage sein, dass „die Anerkennung der allen Mitgliedern der menschlichen Familie innewohnenden Würde und ihrer gleichen und unveräußerlichen Rechte die Grundlage der Freiheit, der Gerechtigkeit und des Friedens in der Welt bildet“(Deutsche UNESCO-Kommission, Menschenrechte. Internationale Dokumente, Bonn 1981, S. 48). Macht hat immer auch mit vielfältigen, persönlichen, gesellschaftlichen und politischen Begehrlichkeiten zu tun, und bei Missbrauch von Macht fehlt die Obacht, was jemandem, der eine gesellschaftliche Aufgabe ausübt, gewissermaßen zusteht oder eben nicht zusteht. Es sind nicht selten die scheinbaren Selbstverständlichkeiten bei der Handhabe von Macht, die Unrechtsbewusstsein abhanden kommen lässt und die Machtausübung scheinbar zum Recht macht. Legitimierte Macht aber in einer Demokratie ist immer geliehen und begrenzt im Rahmen der Gesetze, Werte und Normen, die sich eine Gesellschaft gegeben hat. Zu einer demokratischen Machtausübung gehören unabdingbar und unverzichtbar Verantwortung und Disziplin. Denn es sind die Versuchungen und Verführungen, machtpolitisch und materiell, die Machtmissbrauch bewirken. Der US-amerikanische Politikwissenschaftler der Harward-University, Joseph Nye, fordert eine „intelligente Macht (als) Kombination aus ‚harter‘ (mit Zuckerbrot und Peitsche operierender) Macht (hard power) und ‚sanfter‘, auf Überzeugungsarbeit und Attraktion setzender Macht (soft power)“[xxvii].

„Wer lebt, muss mit Paradoxien umgehen“,

hinter dieser Tautologie steckt eine gehörige Portion Wahrheit und Explosivität. Während mit der aristotelischen „zweiwertigen Logik“ die Möglichkeit eröffnet wird, „Widersprüche als nicht zulässig auszuschließen“ und damit Erkenntnis zu gewinnen, zeigt der Blick in die „Wirklichkeiten des Lebens“, dass es notwendig ist, den Fokus der Aufmerksamkeit auf die Paradoxien zu lenken, um davor gefeit zu sein, „sich irgendetwas Positives von solch falschen Gewissheiten zu versprechen“. In dem Erkenntnismodell der Systemtheorie wird davon ausgegangen, dass es für die Darstellung und Benennung von Phänomenen einer Aufmerksamkeit bedarf, die sich nicht allein auf individuelle oder auch fachspezifische Bewertungen berufen kann, sondern dabei die sozialen, systemübergreifenden Zusammenhänge berücksichtigen muss. Damit sind wir schon beim Chaos und bei der Wirklichkeit, wie auch bei der Anstrengung, Realitäten als Erkenntnis, Täuschung, Spiegel und Irrweg zu filtern. Eine Grenzwanderung von „Unentscheidbarkeit der Wahrheit oder Falschheit von Aussagen“ unternimmt der Mediziner, Soziologe und Organisationsentwickler von der Universität Witten/Herdecke, Fritz B. Simon, mit seinem Buch über Paradoxiemanagement. Dabei nimmt er sich die Füllbereiche vor, wie sie sich im Familienleben, in der Wirtschaft und Politik darstellen. Weil unser individueller Alltag wie unser gesellschaftliches Dasein von hochkomplexen, „logischen“ Paradoxien bestimmt ist, sind wir gefordert, unser Denken und Handeln über einfache „Entweder-Oder-Prinzipien“ hinaus zu entwickeln. Ordnung und Unordnung sind die zwei Seiten derselben Medaille: „Um die Entstehung von Unordnung zu erklären, müssen wir die Entstehung von Ordnung studieren, und um herauszufinden, was eine bestimmte Ordnung herbeiführt, erhält, verändert oder auflöst“. Denn bei der Ordnungssuche wie bei der Unordnungsdetektion wirken Inkognition[xxviii] in gleicher Weise wie Kognition[xxix]. Es gilt, explizite und implizite Bewusstseinszustände zu bedenken[xxx], genetische Zustände zu erforschen[xxxi]; kurz: logisch zu denken[xxxii].

Der (zwangsläufige oder illusionäre) anarchistische Seitenblick

Wenn heute von „Autonomen“ die Rede ist, haben wir meist das Bild von vermummten, schwarzgekleideten jungen Chaoten vor uns, die sich bei eher friedlich geplanten Veranstaltungen, wie etwa öffentlichen Protesten, Demonstrationen oder in Fußballstadien, scheinbar ungeplant und provokativ einmischen, Fensterscheiben einschmeißen, mit Pflastersteinen werfen und gewaltsam die jeweilige Situation nutzen, um Krawall zu machen. Dabei ist der Autonomiegedanke älter und gilt als Grundbestandteil des freien Willens von freien Bürgern, wie dies mit der Frage „Was ist Autonomie?“ bei Immanuel Kant 1784 als der Urformel der Aufklärung, nämlich als „Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit“ beantwortet wurde. Folgt man dieser Diktion, so ergeben sich dabei eine Reihe von wesentlichen Aspekten, die in der gesellschaftlichen und politischen, demokratischen Kultur zu beachten wären; wie etwa: individuelle und kollektive Verantwortung, Freiheit, Pflicht, Selbst- und Mitbestimmung, die Negation als Kritikfähigkeit gegen jede Form von Machtmissbrauch. „Anarchie“, in der historisch-politischen Bedeutung heißt ja, wie dies der französische Soziologe Pierre-Joseph Proudhon (1809 – 1865) als „solidarischen Anarchismus“ bezeichnete und „Zusammenarbeit ohne Hierarchie oder staatliche Herrschaft“ verstand. Es geht also um die anspruchsvolle und verantwortungsbewusste Herausforderung als staatskritische Haltung gegen Hierarchien und undemokratische Strukturen. Der US-amerikanische Politikwissenschaftler und Anthropologe James C. Scott plädiert in seinem Buch „Applaus dem Anarchismus“ für „konstruktive Anarchie“ im gesellschaftlichen und politischen, individuellen und kollektiven, lokalen und globalen Dasein der Menschen. Er schreibt auf, was er bei seinem Jahrzehnte langen Nachdenken, Lehren, Diskutieren, Hoffen und Desillusionieren über die politischen Entwicklungen überall in der Welt verspürte. Es sind die Enttäuschungen darüber, „dass praktisch jede größere erfolgreiche Revolution mit der Gründung eines Staates endete, der über mehr Macht verfügte als der vor ihm beseitigte...“. Er entwickelt daraus so etwas wie einen „Anarchismus als Praxis“, mit der er aufzeigt, dass die Auseinandersetzung mit Formen von Renitenz und Widerstand, wie sie sich in anarchistischen Konzepten ausdrücken, als Paradoxien darstellen: „Massive Störungen der öffentlichen Ordnung und Wiederstandshandlungen können ... direkt in einem autoritären System oder im Faschismus münden“. Die selbstverständlich anmutende Erkenntnis, dass „die Erfahrung anarchistischer Gegenseitigkeit ( ) allgegenwärtig (ist)“, entpuppt sich beim näheren Nachdenken über die Bedeutung von scheinbar unverzichtbaren und naturwüchsigen Notwendigkeiten, individuelle und kollektive Hierarchien und Normenregelungen aufzubauen, als Überraschung. So treffen sich liberale Freiheitsvorstellungen mit anarchistischem Denken[xxxiii], und zum Paradoxon, „dass Gesetzesübertretungen und Störungen der öffentlichen Ordnung zum demokratischen politischen Wandel beitragen“ können[xxxiv].

Zusammenarbeit

Homo faber: Der Mensch erschafft sich durch denkendes Tun. Der US-amerikanische Soziologe und Kulturphilosoph Richard Sennett denkt darüber nach, was wir Menschen mit den materiellen Dingen tun, die uns umgeben, die wir haben wollen, meinen, haben zu müssen: „Ich habe das Gefühl, dass wir angesichts der mit physischen Gegenständen vollgestopften Welt nicht recht wissen, wie wir von materiellen Objekten und Maschinen guten Gebrauch machen können“. In diesem Unbehagen steckt auch etwas, was wir mittlerweile als Gesellschafts-, Kultur- und Lebenskritik formulieren: Soll der Mensch alles machen (dürfen), was er kann (oder zu können glaubt)? Dieses Nachdenken subsummiert er in einem Denk- und Schreibvorhaben, das er das „Homo-Faber-Projekt“ bezeichnet. Es „kreist um die ethische Frage, in welchem Maße wir Herren unserer selbst werden können“, und darum zu begreifen, dass „der Mensch sein Leben und sich selbst durch konkretes praktisches Handeln erschafft“. Er ist überzeugt, dass wir Menschen „das materielle Leben humaner gestalten (können), wenn wir das Herstellen von Dingen besser verstehen lernen“. Bei der Suche nach den Defiziten und Bruchlinien beim Zusammenleben und Zusammenarbeiten der Menschen stößt Sennett auf das „unkooperative Ich“. Es zeigt sich in den Rückzugs- und „Ohne-mich“- Tendenzen, die das Individuum zum Egoisten werden lässt, aber auch zum Narzissten, etwa aus Angst vor den Anforderungen, denen es nicht gewachsen ist, vor Abstieg, Versagen und Ausgesondertwerden. Die tiefgehenden Reflexionen des Autors, die komplizierten und einfachen Fragen und ein paar Antworten, die sich wiederum in Frage stellen lassen, münden in Beweisen, dass „Kooperation die Qualität des sozialen Lebens verbessert“. Direkt erfahrbar werden solche Erfahrungen in lokalen Gemeinschaften, die als Grundlage für größere dienen können. Darin steckt der einfache Gedanke: Global denken, lokal handeln. So lässt sich Gemeinschaft als ein „Prozess des In-die-Welt-Kommens vorstellen, in dem die Menschen den Wert direkter persönlicher Beziehungen und die Grenzen solcher Beziehungen herausarbeiten“.„Kooperation ist Austausch, von dem alle Beteiligten profitieren“. Auf der Grundlage dieser positiven und optimistischen Überzeugung begründet Richard Sennet seine Reflexionen zur „Zusammenarbeit“. Indem er den Werkzeugkasten bereit stellt und die Werkstatt ausgestattet hat, um mit den intellektuellen und profanen Denk- und Handlungswerkzeugen selbst zu denken und mit gemeinsamem, intellektuellem Denken produktives, humanes Tun zu ermöglichen[xxxv].

Effektiver Altruismus

„Handle so, dass die Folgen deiner Handlung bzw. Handlungsregeln für das Wohlergehen aller Betroffenen optimal sind.“ Imperative sind Anweisungen, die aufs Ganze gehen! Es sind gebotsähnliche Forderungen mit dem Ziel, bisherige Einstellungen und Verhaltensweisen zu überdenken und gewissermaßen einen Perspektivenwechsel beim gewohnten und geübten Denken und Handeln vorzunehmen. Als klassisches Beispiel gilt dabei das Kantische Paradigma, das als kategorischer Imperativ die Grundlage eines humanen und ethischen Zusammenlebens der Menschen bildet und sich volkstümlich in der Aufforderung ausdrückt: „Was du nicht willst, das man dir tu´, das füg´ auch keinem andern zu!“. Immanuel Kant präzisiert seine „goldene Regel“, indem er den Bogen vom individuellen Denken und Handeln hin zur kollektiven, globalen Verantwortung spannt: „Handle so, dass du die Menschheit sowohl in deiner Person, als in der Person eines jeden andern jederzeit zugleich als Zweck, niemals bloß als Mittel brauchst. Das utilitaristische Grundprinzip verdeutlicht sich in der Frage: „Wie kann ich am meisten bewirken und der größtmöglichen Zahl von Menschen zu einem besseren Leben verhelfen?“[xxxvi]. Es wird ausdifferenziert in der Forderung, dass nicht das individuelle Glücksempfinden im Fokus eines guten Handelns steht, sondern nach deren Interessen und Wünschen gefragt wird.. Der australische Philosoph und Ethiker Peter Singer wird der philosophischen Denkrichtung des Utilitarismus zugeordnet. Mit der Frage nach utilitas, dem Nutzen einer guten Handlung, werden die humanen Herausforderungen und Verantwortlichkeiten angesprochen, die sich beim Zusammenleben der Menschen als Individuen und Menschheit ergeben[xxxvii].

Fazit

Anonymität ist Faszination und Fehlentwicklung. Es kommt darauf an, wie Individuen und Gemeinschaften auf die Einstellungs- und Verhaltensvariablen regieren. Gelingt es, die personellen und gesellschaftlichen Variablen von Egoismen und Egozentrismen weg und hin zu orientieren auf humane, zivilgesellschaftliche und demokratische Eintellungen, können sich aus anonymen Verhaltensweisen und Einstellungen Werte entwickeln, die hinführen zu einem anthropologischen Bewusstsein, dass Ich-Identität sich nur bilden kann, wenn eine Wir-Identität das Ziel ist!

Kontakt zum Autor:
Dr. Jos Schnurer
Immelmannstr. 40
31137 Hildesheim
Tel.: (05121) 59124
E-Mail: jos2@schnurer.de


[i] Martin Gessmann, Philosophisches Wörterbuch, 2009, S. 544ff
[ii]
Otfried Höffe, Aristoteles-Lexikon, 2005, 640 S.
[iii]
Jos Schnurer, Wer philosophiert – lebt!, 28. 1. 2014, http://www.socialnet.de/materialien/174.php
[iv]
Ch. Horn, in: Otfried Höffe, a.a.o., S. 46f
[v]
Worldwatch Institute, Hrsg., Zur Lage der Welt 2010. Einfach besser leben. Nachhaltigkeit als neuer Lebensstil, 2010, www.socialnet.de/rezensionen/10494.php
[vi]
Ellen Bareis, u.a., Hrsg., Episoden sozialer Ausschließung. Definitionskämpfe und widerständige Praxen, 2013, http://www.socialnet.de/rezensionen/15142.php
[vii]
Sylke Bartmann / Oliver Immel, Hrsg., Das Vertraute und das Fremde. Differenzerfahrung und Fremdverstehen im Interkulturalitätsdiskurs, 2010, http://www.socialnet.de/rezensionen/12833.php
[viii]
Kurt Bayertz, Der aufrechte Gang. Eine Geschichte des anthropologischen Denkens, 2013, http://www.socialnet.de/rezensionen/17706.php
[ix]
Ulrich Beer, Zivilcourage, 2011, http://www.socialnet.de/rezensionen/12604.php
[x]
Wolfgang Benz,Hrsg., Ressentiment und Konflikt. Vorurteile und Feindbilder im Wandel, 2014, 9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/18371.php
[xi]
Jos Schnurer, 22. 11. 2013, Ist Geld die Quelle allen Übels – oder hat Geld immer recht?, http://www.socialnet.de/materialien/168.php
[xii]
Ulrich Duchrow, Gieriges Geld. Auswege aus der Kapitalismusfalle – Befreiungstheologische Perspektiven, 2013, http://www.socialnet.de/rezensionen/15484,php; siehe auch: Richard Edtbauer/ Alexa Köhler-Offierski, Hrsg., Welt- Geld – Gott, 2012, http://www.socialnet.de/rezensionen/14494.php
[xiii]
Iris Dzudzek, Hrsg., Diskurs und Hegemonie. Gesellschaftskritische Perspektiven, 2012, http://www.socialnet.de/rezensionen/14330.php
[xiv]
Ingo Elbe, u.a., Hrsg., Anonyme Herrschaft. Zur Struktur moderner Machtverhältnisse, 2012, http://www.socialnet.de/rezensionen/13528.php
[xv]
Astrid Erll, Kollektives Gedächtnis und Erinnerungskulturen, 20110, http://www.socialnet.de/rezensionen/12634.php; sowie: Andreas Hartmann / Oliwia Murawska, Hrsg., Representing the future. Zur kulturellen Logik der Zukunft, 2015, http://www.socialnet.de/rezensionen/18833.php
[xvi]
Rainer Funk, Entgrenzung des Menschen, 2012, http://www.socialnet.de/rezensionen/14189.php
[xvii]
Markus Holzinger, u.a., Weltrisikogesellschaft als Ausnahmezustand, 2010, www.socialnet.de/rezensionen/9743.php
[xviii]
Die Erklärung von Sevilla, in: Deutsche UNESCO-Kommission, Internationale Verständigung, Menschenrechte und Frieden als Bildungsziel. Drei Texte der UNESCO, 2. Aufl., Bonn 1992, S. 44ff, vgl. auch: Peter Schlotter / Simone Wisotzki, Hrsg., Friedens- und Konfliktforschung, 2011, www.socialnet.de/rezensionen/11889.php
[xix]
Byung-Chul Han, Topologie der Gewalt, 2011, http://www.socialnet.de/rezensionen/12785.php; siehe auch: ders., Transparenzgesellschaft,2012, http://www.socialnet.de/rezensionen/12799.php
xx]
Ralf Konersmann, Die Unruhe der Welt, www.socialnet.de/rezensionen/19459.php
[xxi]
Eva-Maria Klinkisch, Halbbildung oder Anerkennung? Perspektiven kritischer Bildung in der Gegenwart, 2015, http://www.socialnet.de/rezensionen/19437.php
[xxii]
Dieter Korczak, Hrsg., Visionen statt Illusionen. Wie wollen wir leben? 2014, http://www.socialnet.de/rezensionen/18045.php
[xxiii]
Ulrich Menzel, Die Ordnung der Welt. Imperium oder Hegemonie in der Hierarchie der Staatenwelt, 2015, http://www.socialnet.de/rezensionen/18967.php
[xxiv]
Hermann Mückler / Gerald Faschingeder, Hrsg. Tradition und Traditionalismus. Zur Instrumentalisierung eines Identitätskonzepts, 2012, http://www.socialnet.de/rezensionen/12770.php
[xxv]
Jörn Müller, u.a., Hrsg., Aufmerksamkeit. Neue humanwissenschaftliche Perspektiven, 2016, http://www.socialnet.de/rezensionen/21112.php
[xxvi]
Martha Nussbaum, Die neue religiöse Intoleranz. Ein Ausweg aus der Politik der Angst, 2014, http://www.socialnet.de/rezensionen/18020.php; sowie: Rupert Graf Strachwitz, Transparente Zivilgesellschaft? Akteure – Problemfelder – Handlungsoptionen, 2015, http://www.socialnet.de/rezensionen/19280.php
[xxvii]
Joseph Nye,Macht im 21. Jahrhundert. Politische Strategien für ein neues Zeitalter, 2011, http://www.socialnet.de/rezensionen/13126.php
[xxviii]
David Eagleman, Inkognito. Die geheimen Eigenleben unseres Gehirns, 2012, www.socialnet.de/rezensionen/13120.php
[xxix]
Daniel N. Stern, Ausdrucksformen der Vitalität, 2011, www.socialnet.de/rezensionen/11513.php
[xxx]
Helmut Junker, Intersubjektivität und implizites Gedächtnis. Intersubjektivität und implizites Gedächtnis. Reflexionen veränderter therapeutischer Praxis, 2013, www.socialnet.de/rezensionen/14553.php
[xxxi]
Ernst Peter Fischer, GENial! Was Klonschaf Dolly den Erbsen verdankt – Ein Streifzug durch die Genetik, 2012, www.socialnet.de/rezensionen/13331.php
[xxxii]
Fritz B. Simon, Wenn rechts links ist und links rechts. Paradoxiemanagement in Familie, Wirtschaft und Politik, 2013, http://www.socialnet.de/rezensionen/14542.php
[xxxiii]
vgl. dazu: Kenneth Minogue, Die demokratische Sklavenmentalität. Wie der Überstaat die Alltagsmoral zerstört, 2013, http://www.socialnet.de/rezensionen/16608.php
[xxxiv]
JamesC. Scott, Applaus dem Anarchismus. Über Autonomie, Würde, gute Arbeit und Spiel, 2014, http://www.socialnet.de/rezensionen/16224.php
[xxxv] Richard Sennett, Zusammenarbeit. Was unsere Gesellschaft zusammenhält, 2012, http://www.socialnet.de/rezensionen/14034.php
[xxxvi]
William MacAskill, Gutes besser machen. Wie wir mit effektivem Altruismus die Welt verändern können, 2015, www.socialnet.de/rezensionen/20648.php
[xxxvii]
Peter Singer, Effektiver Altruismus. Eine Anleitung zum ethischen Leben, 2016, http://www.socialnet.de/rezensionen/20649.php

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Buchcover

Klaus-Peter Hufer: Argumentations­training gegen Stammtischparolen. Wochenschau Verlag (Schwalbach/Ts.) 2016. 10. Auflage. 117 Seiten. ISBN 978-3-87920-054-2.
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