Menschen aus der Abhängigkeit von „Crystal Meth“ holen

16.12.2016 | Gesundheitswesen | Nachrichten

Weltweit erste S3-Leitlinie Methamphetamin-bezogene Störungen vorgelegt

Jährlich werden etwa 3.000 Menschen wegen ihres Konsums von Methamphetamin - einer illegal hergestellten, kristallinen Substanz („Crystal“) mit hohem Suchtpotenzia l-  auffällig. Längst begrenzt sich der Konsum der Droge nicht mehr nur auf die grenznahen Regionen zu Tschechien. Mittlerweile sehen sich Ärzte, Pflegekräfte und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Suchthilfe auch in anderen Regionen der Republik mit den Folgen des Crystal-Konsums konfrontiert.

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler, dazu: „Der Konsum von Crystal Meth ist in den letzten Jahren in vielen Regionen Deutschland zu einer echten Herausforderung geworden. Umso wichtiger ist neben unserer intensiven Präventionsarbeit eine gute medizinische Versorgung der Betroffenen."

Das Wissen über die richtige Behandlung wurde nun in einer medizinischen Leitlinie zusammengefasst. Diese soll in Zukunft überall in Deutschland eine Behandlung auf höchstem medizinischem Niveau ermöglichen, so Mortler. Deutschland gehe mit der vorliegenden Behandlungsleitlinie auch international mit großen Schritten voran.

Die gute Botschaft lautet: Die Abhängigkeit von Crystal Meth ist heilbar, so die Drogenbeauftragte.

Um den Berufsgruppen im Gesundheitswesen mehr Handlungssicherheit im Umgang mit akut intoxikierten oder abhängigen Patienten zu geben, hat das Bundesministerium für Gesundheit die Bundesärztekammer dabei unterstützt, eine Behandlungsleitlinie zu erarbeiten. Diese wurde vom Ärztlichen Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ) zusammen mit einem interdisziplinär besetzten Expertenpanel erarbeitet und liegt nun vor. Federführende Fachgesellschaft war die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie (DGPPN).

„Für die Erstellung der Handlungsempfehlungen haben wir die gesamte international verfügbare wissenschaftliche Literatur zu dem Thema gesichtet und ausgewertet. Aus den Ergebnissen haben wir insgesamt 135 Empfehlungen insbesondere für die Akut- und Postakutbehandlung sowie die Behandlung von Begleiterkrankungen und speziellen Patientengruppen erstellt.“ berichtet Dr. Josef Mischo, Präsident der Ärztekammer des Saarlandes und Vorsitzender der Arbeitsgruppe Sucht und Drogen der Bundesärztekammer.

„Damit verfügen wir in Deutschland weltweit über die erste Behandlungsleitlinie für Patientinnen und Patienten mit Methamphetamin-bezogenen Störungen, die die höchsten Qualitätskriterien einer „S3-Leitlinie“ erfüllen“, so Mischo.

Prof. Dr. Euphrosyne Gouzoulis-Mayfrank, Ärztliche Direktorin an der LVR-Klinik Köln und Beauftragte der DGPPN bei der Leitlinienerstellung, weist darauf hin, dass sich die S3-Leitlinie an alle Berufsgruppen in der ambulanten und stationären Suchthilfe richtet, zudem an ärztliche und psychologische Psychotherapeuten, Mitarbeiter im Bereich Nachsorge und Rehabilitation sowie an Selbsthilfeorganisationen. „Nun gilt es, die darin enthaltenen wissenschaftlichen Erkenntnisse in die Versorgungspraxis zu bringen - zum Nutzen der Patienten, ihrer Angehörigen sowie auch der damit befassten medizinischen Berufsgruppen.“

Die Leitlinie kann im Internet in einer Kurz- sowie in einer Langfassung aberufen werden unter www.crystal-meth.aezq.de


Quelle: BMG-Pressemitteilung vom 2. Dezember 2016